#104 – Spieler im Gespräch (#3): Kristian Arambasic (Trainer, BSV SW Rehden)

Vor dem Spiel des SV Sandhausen beim BSV SW Rehden hatte ich die Möglichkeit mit dem Trainer des Regionalligisten, Kristian Arambasic, zu sprechen. Der 45-Jährige, der sowohl als Spieler, wie auch als Trainer den Großteil seiner Karriere im Raum Bremen verbrachte, steht seit Januar 2022 beim Pokalgegner des SVS unter Vertrag. Bevor er den FC Oberneuland nach 4,5 Jahren verließ stand er 2 Jahre beim Brinkumer SV, 3 Monate beim VFB Oldenburg und 4 Jahre bei der SG Aumund – Vegesack an der Seitenlinie. Seine erfolgreichste Zeit hatte er in Oberneuland, die er zu zwei Pokalsiegen und einer Oberligameisterschaft führte. In Rehden und Vegesack konnte er seiner Vita jeweils den Pokalsieg hinzufügen. 

Vor dem Spiel gegen den SV Sandhausen erreichte ich Kristian Arambasic am Rande des internationalen Traininerkongresses in Dortmund an dem er von Montag bis Mittwoch teilnimmt, während sein Co-Trainer Marcel Abeling in Rehden ab Dienstag die Mannschaft auf das Pokalspiel einstimmt. 

Trotz des vollen Programms in Dortmund nahm sich Arambasic ausreichend Zeit um auf meine Fragen zum BSV, zum Pokalspiel und zu seiner Person einzugehen. An dieser Stelle nochmal herzlichen Dank an die Verantwortlichen des BSV die den Kontakt herstellten und natürlich an den Trainer selbst. Für die kommende Regionalliga Saison wünsche ich Kristian Arambasic und seinem Team den größtmöglichen Erfolg und den Lesern nun viel Spaß mit dem Interview. 

Kurz nach der Auslosung haben Sie den SV Sandhausen als Traumlos bezeichnet. Nicht aufgrund der Attraktivität des Gegners, sondern weil es zum weiteren Träumen einlädt. Wie stehen sie nun 2 Monaten nach der Auslosung und kurz vor der Partie zum Los SV Sandhausen? 

Das muss ich natürlich ein bisschen relativieren. Ich bin jetzt das vierte Mal als Coach im DFB-Pokal dabei und die ersten 3 Duelle waren gegen Hoffenheim, Darmstadt und Gladbach. 2020 gegen die Borussia gab es eine 0:8 Niederlage und da schwang dann mit dem Sandhausen-Los die Hoffnung mit, dass wir uns etwas besser verkaufen können. Damit war also eher der Wunsch verbunden, dass uns der Gegner nicht so weh tut, wie mir damals die Fohlen. Die Favoritenrolle liegt ganz klar beim SV Sandhausen und der Respekt meinerseits vor der Mannschaft und dem Kollegen Alois Schwartz ist riesig. In Sandhausen wird fantastische Arbeit geleistet und uns ist klar, dass alles für uns laufen muss, wenn wir die Sensation schaffen wollen. Wir werden es natürlich versuchen, aber wir wissen gegen wen wir spielen und haben auch den nötigen Respekt.

Können Sie uns einen Einblick in die Vorbereitungen von Ihnen und ihrem Team auf das Pokalspiel geben? Waren sie gegen Bielefeld und/oder Darmstadt im Stadion um den SVS Live zu beobachten? 

Ich war bei beiden Pflichtspielen vor Ort, was aber meine normale Vorbereitung ist egal ob Regionalliga oder DFB-Pokal. Ich konnte gute Eindrücke über die gegnerische Mannschaft und ihre Spielweise gewinnen und habe einen Plan für Sonntag im Kopf. 

Sandhausen ist im elften Jahr in der zweiten Liga und mittlerweile eine feste Größe. Die Kontinuität, die der Verein in diesem Sommer umsetzen konnte, tut der Mannschaft gut. Alois Schwartz macht das super in Sandhausen, die Abläufe sind da. Gerade im ersten Spiel hat man gesehen was das ausmacht. Sandhausen war viel weiter in Ihrer Anlage als Bielefeld nach deren Abstieg. Das war entscheidend in dem Spiel. Sie hatten einen klaren Plan und haben den diszipliniert umgesetzt. Gegen Darmstadt, bei denen mein Freund Thorsten Lieberknecht an der Linie steht, kann man verlieren. Das ist eine Topmannschaft. Auch da hat sich der SVS meiner Meinung nach gut verkauft.  

Unterscheidet sich die Vorbereitung für sie zu einem Spiel in der Regionalliga Nord? 

Nein das unterscheidet sich nicht. Ich bereite mich eigentlich auf jedes Spiel mit der gleichen Akribie vor. Beim meinem ersten Spiel im DFB-Pokal damals mit der SG Aumund Vegesack gegen die TSG Hoffenheim war das ein bisschen anders. Da war die Aufregung größer. Mittlerweile bin ich aber routiniert in meinen Abläufen und erfahrener was das angeht. Man sollte die Mannschaft auch nicht verrückt machen mit einer überbordenden Vorbereitung. Für die Jungs ist das Spiel schon allein durch den Wettbewerb groß genug. 

Was bedeutet das Spiel für Ihre Mannschaft und wie steht es im Kontext zur Regionalligasaison?

Für die Jungs ist das ein Bonusspiel, dass sie sich letztes Jahr verdient haben. Für uns als Verein liegt der Fokus aber ganz klar auf der Meisterschaft. Das Spiel gegen Sandhausen sollen alle einfach nur genießen. Sowas kommt gerade bei Amateuren, was alle unsere Spieler und auch wir Trainer sind, nicht alle Jahre. Wir wollen am Sonntag gute Gastgeber sein. Rehden freut sich auf den SV Sandhausen und das werden alle, die da sein werden auch spüren. Wir wollen dem Favoriten einen fairen Kampf liefern. Und ein bisschen Träumen dürfen die Jungs auch. Das ist erlaubt. 

Der SV Sandhausen ist es nicht gewohnt, als Favorit in eine Partie zu gehen. Allgemein kann die Mannschaft von Alois Schwartz ihre Stärken eher ausspielen, wenn sie aus einer gefestigten Defensive reagieren können. Diesen gefallen werden sie dem Gast am Sonntag nicht machen vermute ich. Können Sie schon etwas zur taktischen Ausrichtung ihres Teams sagen? 

Sandhausen muss sich umstellen und das Spiel machen am Sonntag. Sicherlich werden sie unter der Woche den Fokus auf die offensiven Abläufe legen und da die ein oder andere Variante durchspielen. Ich bin mir sicher das die Kollegen aus Sandhausen auch wissen, was auf sie zu kommt. Uns ist bekannt dass bei unserem Test gegen Rödinghausen Gäste aus der Kurpfalz anwesend waren.  Da haben wir 0:5 verloren, vielleicht nehmen sie das Spiel als Blaupause und unterschätzen uns. Das könnte unsere Chance sein. Der Druck liegt auf jeden Fall ganz klar bei Sandhausen, jedoch sollte die Umstellung der Spielweise kein Problem für sie darstellen. Die Qualität der Mannschaft muss ausreichen um einen Regionalligisten, wie wir einer sind, zu bespielen. 

In ihrem Kader kam es in der Sommerpause zu einem großen Umbruch. 15 Abgänge stehen 9 Zugänge gegenüber. In Sandhausen haben wir in der letzten Hinrunde keine guten Erfahrungen mit einer so hohen Fluktuation gemacht. Können Sie Gründe für die Masse an Transfers nennen? 

In der Regionalliga arbeiten viele Teams mit Einjahresverträge, was ein kontinuierliches Arbeiten jedoch schwer macht. So war es auch in Rehden bisher. Ich stehe aber für Kontinuität, was uns auch in Oberneuland ausgezeichnet hat. Mit dem Umbruch in diesem Sommer wollen wir das nun auch in Rehden etablieren. Hier werden, so gut es möglich ist, nur noch Zweijahresverträge mit neuen Spielern abgeschlossen. Mit den neuen, vor allem jungen Leuten die wir geholt haben, wollen wir an einem Gerüst arbeiten, auf dem sich etwas aufbauen lässt. 

Wie weit kann ein Team unter diesen Voraussetzungen zum jetzigen Zeitpunkt schon sein und wo sehen sie ihres? Was ist mit ihrem Team diese Saison möglich und was halten sie für realistisch? 

Von einem fertigen Team kann ich natürlich noch nicht sprechen. Das dauert noch. Wir sind ein kleiner Verein und müssen das Ende der Transferperiode abwarten. Ein bis Zwei Topspieler für unsere Verhältnisse wollen wir bis Ende August schon noch von uns überzeugen. Gerne hätten wir den Kader schon zum Pokalspiel zusammen gehabt, das war jedoch nicht möglich. Wir müssen bis zum letzten Tag geduldig bleiben und den Markt sondieren. Wenn etwas passendes dabei ist, sind wir da. 

Steht Ihnen der komplette Kader zur Verfügung oder fehlen Leistungsträger? 

Aktuell muss ich von 3 Ausfällen sprechen bei denen die Ärzte alles versuchen, sie für Sonntag bereit zu machen. Mit Ebrima Jobe der einen Muskeleinriss auskuriert und Juljia Popovic der an einer Schultereckgelenkssprengung laboriert fehlen uns zwei enorm wichtige Leistungsträger. Wenn die beiden auf dem Platz stehen, steigen unsere Chancen auf eine Überraschung enorm. 

Ist es ein großer Nachteil für Ihr Team, dass der SVS schon unter Wettkampfbedingungen antreten, ihre Jungs bisher aber nur Testspiele bestreiten konnten? 

Das ist ein klarer Nachteil für uns, ja. Wir hatten in den Testspielen viele Gastspieler dabei und hatten unsere erste Elf eigentlich noch nie komplett auf dem Platz. Dementsprechend kann die Mannschaft noch überhaupt nicht eingespielt sein. Automatismen konnten sich noch nicht bilden und Abläufe noch nicht finden, geschweige den festigen. Dafür ist die Teamgemeinschaft intakt und über die müssen wir Sonntag ins Spiel finden. Die Jungs sind heiß und das kann unser Trumpf sein. Das sind Floskeln, aber das ist halt wirklich so. 

Wenn Sie sich einen Verlauf für Sonntag wünschen dürften, wie würde das Spiel ablaufen? 

Ein Verlauf wie im Mai im Landespokalfinale gegen Meppen wäre ein Traum. Ein spätes 1:0 in der 88 Minute und dann nochmal 4-5 Minuten den Sieg über die Ziellinie zittern und kämpfen. Dann Schlusspfiff und ab geht die Party. Das ist Träumerei, aber darum ging es ja in der Frage. Und wir haben gegen Meppen einem Drittligisten die Stirn geboten und gemerkt, dass sich an einem perfekten Tag auch der klassentiefere durchsetzen kann. 

Sie kamen im Januar vom Ligakonkurrenten aus Oberneuland, wo sie 4,5 Jahre erfolgreich gearbeitet haben. Was waren die Gründe für den Wechsel und was wollen Sie in Rehden langfristig erreichen? 

Wenn man lange bei einem Verein arbeitet ist es nicht selten, dass irgendwann der Wunsch nach Veränderung in einem wächst. Das muss nicht immer aufgrund von Differenzen entstehen. Manchmal merkt man einfach, dass die Luft etwas raus ist und es Zeit ist für etwas neues. Optimal ist es natürlich, wenn eine Veränderung nicht mitten in der Saison geschieht, aber im Fußball werden manchmal passende Positionen zu ungünstigen Zeitpunkten frei und dann muss die Entscheidung schnell fallen. So war es auch im Januar. Ich hab die Chance genutzt und mich für den BSV Rehden entschieden, bei dem ich jetzt ähnlich kontinuierlich arbeiten möchte wie in Oberneuland zuvor. 

Die Voraussetzungen dafür sind allemal gegeben, der BSV ist ein toller Verein. Er ähnelt in gewisser Weise dem SV Sandhausen. Es ist ein familiärer Verein, dem ein harter Kern folgt, dem aber im Vergleich zu anderen Vereinen innerhalb der Liga eine gewisse Fankultur fehlt. Auch weil zu früheren Zeiten andere Vereine in der Region erfolgreicher waren und höherklassig gespielt haben. Diesen historischen Vorsprung können Vereine wie der BSV trotz sportlichem Erfolg nur sehr langsam aufholen. Die Menschen, die dem Verein jedoch verbunden sind geben alles für ihn und das lässt hier eine ganz besondere Stimmung entstehen, auf die ich große Lust habe.  

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