#88 – Spieler im Gespräch (#2): Christian Kinsombi

Nummer zwei in der Rubrik „Spieler im Gespräch“ ist die Nummer 8 des SV Sandhausen. Nach vielfachem Wunsch eurerseits hatte ich die Möglichkeit Christian Kinsombi ein paar Fragen zukommen zu lassen. Im Sommer aus Uerdingen verpflichtet, musste sich Christian Kinsombi zu Beginn der Saison noch hintenanstellen, startete dann aber wie die Mannschaft auch zu Beginn des Jahres 2022 durch. Darüber, aber auch über seine Zeit in Uerdingen, seinen Bruder und einen großen Traum geht es in den kommenden Zeilen.

Euch viel Spaß beim Lesen und Christian Kinsombi vielen Dank für die Zeit, die er sich für mich und die Fragen genommen hat. 

© SV Sandhausen 1916

Eines meiner Highlights der aktuellen Spielzeit war das 1:1 in der Nachspielzeit gegen St. Pauli, an dem Sie entscheidenden Anteil hatten. Durch den Ballgewinn und das Dribbling vor dem Eckball war das ganze Stadion nochmal da. Wie fühlt man sich in Situationen wie dieser, in der man entscheidenden Anteil an besonderen Momenten hat? 

Während dem Spiel habe ich das gar nicht richtig wahrgenommen. Ich bin ja erst in der 88. Minute ins Spiel gekommen, wollte einfach nur das Spiel so gut es geht mitgestalten und alles dafür geben noch mindestens einen Punkt zu holen. Irgendwie habe ich den Ball dann noch vor der Linie bekommen und den Eckball gezogen. Nach dem Tor habe ich das zwar ein wenig realisiert, aber so wirklich ist es dann erst zu Hause geworden als ich ein bisschen runtergekommen bin. 

Im aktuellen Kader sind Sie einer der wenigen U23 Akteure. Wie geht man als junger Spieler inmitten einer erfahrenen Mannschaft in seine erste Zweitligasaison? Welche Erwartungen und Ziele haben Sie im Sommer mit dem Wechsel zum SVS verbunden? 

Mir war von Anfang an wichtig, dass ich vom ersten Tag an voll da bin und gut hier in Sandhausen ankomme. Von den erfahrenen Spielern konnte ich mir einiges abschauen und in meinem ersten Jahr hier unglaublich viel lernen. 

Der Umbruch innerhalb des Kaders, der frühe Trainerwechsel, fehlende Resultate, kaum Spielzeit. Gab es Momente im Herbst/Winter 21, in denen Sie den Wechsel zum SV Sandhausen bereut haben? 

Nein, auf keinen Fall. Den Schritt im Sommer hier her bin ich bewusst gegangen und würde dies auch immer wieder so tun. 

Seit Februar geht es am Hardtwald stetig bergauf. Auch bei Ihnen persönlich. Der erste Zweitligatreffer, regelmäßige Einsätze, oft sogar in der Startelf und immer wieder lobende Worte der Verantwortlichen. Was ist im Winter passiert und was hat vielleicht in der Hinserie noch gefehlt? 

Ich habe die ganze Zeit über Gas gegeben und versucht mich im Training zu zeigen. Dass das letztendlich vom Trainer belohnt wurde, freut mich immens. Ich habe geduldig auf meine Chance gewartet und denke, dass ich diese dann auch genutzt habe als sie sich mir bot. 

Wie fällt ihr Fazit nach der ersten Zweitligasaison und einem Jahr Sandhausen aus? 

Ich kann wirklich nur positiv vom Verein sprechen, der unglaublich familiär ist. Die Umstände hier passen für mich sehr gut und unser oberstes Ziel, den Klassenerhalt, haben wir erreicht. 

Über Vertragslaufzeiten spricht man in Sandhausen nicht, ich weiß. Darf man trotzdem davon ausgehen, dass Sie nicht nach einem Jahr weiterziehen werden und wenn ja, was sind die persönlichen, aber auch mannschaftlichen Ziele für die kommende Saison?

Aktuell bin ich sehr glücklich hier am Hardtwald und habe mir über die Vertragslaufzeit hinaus noch keine Gedanken gemacht. Nächstes Jahr wollen wir an die Leistungen der Rückrunde anknüpfen und das Bestmögliche aus der Mannschaft herausholen. Was damit dann möglich ist, wird sich zeigen. 

Mainz, Uerdingen, Sandhausen. 3 Station, 3 Vereine die nicht unterschiedlicher sein könnten. Jeder Wechsel für sich scheint jedoch ein logischer Schritt gewesen zu sein. Aus der Regionalliga in Mainz ging es 2019 zum ambitionierten Drittligisten aus Krefeld, dem Mikhail Ponomarev zurück zu altem Ruhm verhelfen wollte. Von außen betrachtet war zu der Zeit viel los in der Grotenburg. Wie würden Sie im Nachhinein die zwei Jahre in Uerdingen beschreiben?

Die zwei Jahre in Uerdingen waren unglaublich turbulent, aber trotzdem war es eine schöne Zeit. Ich habe viele coole Menschen kennenlernen dürfen und war mir die ganze Zeit darüber im Klaren, dass ich als Einzelperson nichts an der Gesamtsituation ändern kann. Für mich war es wichtig, das Beste daraus zu machen und ich denke, dass ich das gut hinbekommen habe.  

Mit Thomas Krücken, Heiko Vogel, Stefan Reisinger, Stefan Krämer und Gerhard Kleppinger um mal nur einige zu nennen hatten Sie in ihrer Karriere bereits mit vielen Trainern zu tuen. Wer, Alois Schwartz ausgenommen, hat Sie bisher am meisten beeindruckt bzw. beeinflusst? 

Ich konnte von jedem einzelnen meiner Trainer etwas mitnehmen, etwas lernen. Alle haben ihre speziellen Stärken, was meiner Entwicklung gutgetan und diese auch vorangetrieben hat. Dafür bin ich jedem einzelnen dankbar. 

Bleiben wir ein bisschen in der Vergangenheit. Sie gehen bald in das 5. Jahr im Seniorenbereich. Gibt es Momente in ihrer bisherigen Laufbahn, die sich eingeprägt haben, an die Sie gerne zurückdenken? 

Auf jeden Fall der diesjährige Klassenerhalt mit dem SVS, der hart erkämpft, dafür aber echt schön war. Aber auch der Klassenerhalt mit dem KFC Uerdingen damals, auf den wir das ganze Jahr unter widrigsten Umständen hingearbeitet haben, hat sich eingeprägt. Zu sehen das man auf ein Ziel hinarbeitet und dieses trotz der ganzen negativen Begleiterscheinungen erreichen kann, war eine wichtige Erkenntnis. 

In einem der wenigen Interviews die man von Ihnen findet, fällt folgender Satz über ihren Bruder: „David hat mich geprägt. Ich habe mich immer an ihm orientiert. Er war ein Vorbild für mich“. Von anderen Geschwisterpaaren im Fußball hat man auch schon gehört, dass der größerer (erfolgreicherer) Bruder als Belastung gesehen wird. Gibt es spezielle Momente an die sich erinnern, in denen sie von der Erfahrung oder den Tipps ihres Bruder profitiert haben oder lässt sich das gar nicht an einem Beispiel beschreiben? 

Da wir einen guten Draht haben und uns viel austauschen, lässt sich das nicht anhand eines Beispiels beschreiben. Da unser Verhältnis schon immer sehr gut war und David mir ein paar Jahre voraus ist, konnte ich mir immer schon Dinge bei ihm abschauen und mir Rat bei ihm holen, wenn ich einen benötigt habe.

Ihre Eltern kommen aus dem Kongo. Viele Verwandte leben noch dort. Sie selbst waren (dem besagten Interview zu Folge) noch nie da. Haben Sie trotzdem eine Verbindung zum Land Ihrer Eltern und könnten Sie sich vorstellen irgendwann mal für das Nationalteam aufzulaufen? 

Auf jeden Fall ist das ein Ziel auf das ich hinarbeiten möchte. Für das Land meiner Eltern aufzulaufen ist ein Traum, den ich mir während meiner Karriere irgendwann gerne erfüllen würde.

Auf dem Platz wirken Sie oft wild, ungestüm, temperamentvoll und furchtlos, was bitte unbedingt positiv zu verstehen ist. Neben dem Feld haben Sie ein Studium im Fachbereich Sportmanagement begonnen. Einen Studiengang, den man im ersten Moment nicht mit den aufgeführten Attributen in Verbindung bringen würde. Wie kam es dazu und welcher Plan steckt dahinter? 

Ich habe mich ein bisschen in dem Bereich Weiterbildung umgeschaut und dabei ist mir der Studiengang Sportmanagement quasi vor die Augen geflogen. Da das am sinnvollsten mit dem Fußball zu kombinieren ist und ich der Meinung bin, dass das am besten zu mir passt, fiel die Wahl nicht schwer. 

Abschließend nochmal zurück zum SV Sandhausen. Oft wird der Verein belächelt für seine Größe, seine Identität und seine kleine, aber treue Anhängerschaft. Wie geht man als Spieler damit um und was macht es mit der Identifikation mit dem Verein?

Wie gesagt, ich mag das familiäre hier. Das Verhältnis zu den Verantwortlichen, den Mitarbeitern, aber auch zu den Fans ist wirklich gut, da alles etwas enger und auch kleiner ist. Es gibt natürlich Vereine bei denen das ganz anders ist, aber genau das macht den SV Sandhausen im Vergleich dann wieder aus.

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