#79 – NDS / SV Sandhausen – FC St. Pauli 1:1

Ein Unentschieden das trotzdem einen Gewinner hat. Nach zähen 93. Minuten schafft es der SV Sandhausen einen weiteren Aufstiegsaspiranten zu ärgern und erkämpft sich gegen den FC St. Pauli schlussendlich ein verdientes Remis im heimischen Hardtwaldstadion. Den 0:1 Führungstreffer vor etwas mehr als 7000 ZuschauerInnen durch Guido Burgstaller (FE, 38.) glich Janik Bachmann (90. +2) in der Nachspielzeit per Kopf aus. Durch das gleichzeitige Unentschieden von Dynamo Dresden gegen Holstein Kiel bleibt der Abstand auf Relegationsplatz 16. bei 6 Punkten. Bei noch 4 verbleibenden Spielen geht der SV Sandhausen zielstrebig auf den Klassenerhalt zu. Die Gäste aus St. Pauli konnten im Aufstiegskampf nicht die erhofften BigPoints sammeln, bleiben jedoch durch die Ergebnisse am Sonntag auf Rang 3. 

Zum Spiel:

Die Rahmenbedingungen waren gegeben für einen Fussballnachmittag, wie man sich ihn nur wünschen kann. Tolle Stimmung auf beiden Seiten, rund 3000 mitgereiste Fans aus St. Pauli mit denen es sich schon vor dem Spiel locker plaudern lies und die Sonne, die das alles abrundete. 

Leider hielt das Spiel nicht das was die Bedingungen versprachen. Die erste Halbzeit war bestimmt von einer Sandhäuser Mannschaft die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrierte und bis auf 1-2 Aktionen in der Anfangsphase das Tor von Vasilj nur aus der Ferne zu sehen bekam. St. Pauli auf der Gegenseite brauchte mehr als nur ein paar Minuten um in ihre Kombinationen zu finden und das Passpiel zu sichern. Wirklich zielstrebig wurde das ganz jedoch nur einmal, als Makienok stark auf Burgstaller ablegte und dieser sich exzellent um Dumic drehte, wobei er an dessen Bein hängen blieb. Zunächst blieb der Pfiff von Dr. Felix Brych zwar aus, jedoch war sogar im Stadion direkt zu sehen, dass die Entscheidung einer Überprüfung des VARs nicht standhalten könnte. Und so kam es dann auch. Den fälligen Strafstoß schob Burgstaller abgeklärt zentral ins Tor. 

Nicht unverdient ging es also mit einem 0:1 in die Pause und der wahrs Matchplan von Alois Schwartz war somit erstmal dahin. Ähnlich defensiv (oder auch destruktiv) wie in Halbzeit 1 wollte Sandhausen im zweiten Durchgang nicht auftreten wie der weitere Verlauf zeigte. 

Die erste Chance kurz nach Wiederanpfiff ging trotzdem an die Gäste, Härtel jedoch scheiterte an Drewes. Versenkt er das Ding, passiert hier sehr wahrscheinlich nichts mehr und das Spiel hätte seinen prophezeiten Lauf genommen. So jedoch kam der SVS immer mehr in die Partie und konnte sich ab der 60 Minute immer mehr Spielanteile sichern. Da St. Pauli nicht mehr viel nach vorne versuchte und Sandhausen nicht wirklich viel nach vorne zu Stande brachte entwickelte sich ein sehr sehr lauer Sommerkick, dessen Ausgang bereits 20 Minuten vor Spielende festzustehen schien. Darauf verließen sich wohl auch die Hamburger.

Als niemand mehr damit rechnete, rettete der  eingewechselte Christian Kinsombi eine verunglückte Flanke mit purem Willen kurz vor dem Seitenaus, lies 3 Hamburger stehen und erkämpfte den letzten Eckball der Partie. Okoroji fand mit dieser Dumic, der den Ball Richtung ersten Pfosten beförderte und Bachmann fand, der nur noch einnicken musste. Mit dem einzigen Abschluss, der tatsächlich auf das Gästetor ging, kam der SVS also zum Ausgleich. Und aufgrund des Spielverlaufs, der Passivität der St. Paulianer und dem Willen des SVS nicht unverdient. 

Freunde des schönen Spiels und sicher auch viele AnhängerInnen des FCSP sehen das etwas anders, jedoch kann das uns hier im Hardtwald herzlich egal sein. Klar sind bei dem Spiel Schwächen deutlich geworden, aber sei’s drum. Es sind mindestens genauso viele Stärken zu sehen gewesen. 

Und in der jetzigen Situation gilt es sich auf diese zu konzentrieren. Die langen Bälle, die Dumic über 50-60 Meter diagonal in den Fuß schlägt. Die Meter, die Testroet vorne für die Mannschaft abreißt. Die Flügelläufe von Okoroji, die vom Spiel zu Spiel besser werden. Zenga, der Zweikämpfe annimmt und gewinnt, wo andere gar keine finden würden. Und zu guter letzt der Wille Kinsombis, von der Bank kommend beim Stande von 0:1, der ihm hilft, einen Ball zu sichern, den 21 andere plus 7000 im Stadion schon im Aus gesehen haben. Unfassbar geil. Das sind die Momente, die einen dann für ganz, ganz viel entschädigen. 

Wenn die Mannschaft dieses Engagement und vor allem die taktische und mannschaftlich geschlossene Disziplin halten kann, wird es auch für kommende Gegner nicht einfach zu Punkten gegen den SVS. Für den sicheren Klassenerhalt fehlen noch 4 maximal 5 Punkte. Nach solchen Spielen wie gestern ist die Angst, dass das doch noch schiefgehen könnte, sehr sehr gering und die Hoffnung am letzten Spieltag gegen Kiel einen entspannten Saisonabschluss feiern zu können groß. 

Um auch die Sicht auf die Gäste aus St. Pauli nicht ganz außer Acht zu lassen, konnte ich nochmal ein bisschen mit Yannick vom MillernTon schreiben, der leider dieses Mal nicht vor Ort sein konnte. Das Spiel gesehen hat er natürlich trotzdem. Was er drüber denkt und was das für die weitere Saison des FCSP bedeutet lest ihr hier: 

17.04.22, 11:42:46

Moin Yannick, wir sind jetzt knapp 20 Stunden nach Abpfiff. Wie siehst du das Spiel mit einem Tag Abstand?

17.04.22, 11:49:18

Moin Marco. Natürlich bin ich immer noch ziemlich enttäuscht über die in letzter Minute vergebenen Punkte. Im Vorfeld wäre ich wahrscheinlich mit einem Unentschieden irgendwie einverstanden gewesen, aber nach dem Spielverlauf und vor allem der ersten Halbzeit ist es ein bitteres Ende einer eher schwachen Leistung des FCSP.

17.04.22, 11:51:01

Seh ich ähnlich. Ich fand euch zwar auch in Halbzeit 1 nicht komplett überragend, jedoch war die Führung absolut verdient. Wenn Hartel nach Wiederanpfiff das Ding versenkt (muss er eigentlich), wird das eine ganz andere Nummer. Danach war aber bei euch auch irgendwie die Luft raus. Hast du da ne Erklärung für?

17.04.22, 11:55:37

Zur Wahrheit gehört eben auch, dass ihr es gut gemacht habt und bis auf den Elfmeter – da hatte ich übrigens kurz nen Flashback zum Werder-Spiel – nicht viel zugelassen habt und der erwartet unangenehme Gegner wart, auch körperlich. Die Chance von Hartel muss das 0:2 sein, dann kommt ihr wahrscheinlich nicht nochmal zurück, denn Offensiv kam von euch auch nicht allzu viel.

Der FCSP hat mMn zu sehr in den Verwaltungsmodus geschaltet und wollte das knappe Ergebnis über die Zeit bringen. Das hat nicht geklappt.

17.04.22, 11:57:53

Nicht allzu viel ist ja noch charmant ausgedrückt. Ich glaube der Kopfball von Bachmann war die einzige Aktion die wirklich aufs Tor ging. 

Der Elfmeter war astrein. Da kann sich niemand beschweren. Ich saß direkt vorne dran und war mir sehr sicher das der reviewed wird.

17.04.22, 11:58:37

Aber ist dieses verwalten etwas, dass ihr sonst auch macht? Hab ich so gar nicht auf dem Schirm. Dachte eigentlich immer das ihr lieber auf das nächste Tor geht.

17.04.22, 11:58:56

Schwingt da vielleicht auch etwas „Angst“ vorm Versagen mit?

17.04.22, 12:05:16

Ihr hattet ein paar Umschaltmomente, die ihr dann nicht gut ausspielt bzw. die wir gut verteidigen, das meinte ich.

Ja, ich hatte nach der Wiederholung im TV auch keine Zweifel, und Brych ist ja i.d.R. auch ein guter Schiri.

Nein, verwalten ist eigentlich auch nicht unser Ding. Aber gestern hat man vielleicht einfach gehofft, dass sich schon Chancen ergeben werden, wenn ihr aufmachen müsst im Spielverlauf.

Angst ist ein großes Wort, aber wer den FCSP länger verfolgt musste gestern bestimmt an den Song von But Alive – Nie allein denken. Der handelt auch davon, dass man immer dann vergeigt, wenn es ernst wird. Mit einem Sieg hätten wir es in der eigenen Hand gehabt, so müssen wir auf Schützenhilfe bspw. aus Nürnberg hoffen.

17.04.22, 12:09:17

Dieses Jahr schafft es ja keiner der Favoriten durchgängig und gegen alle kleinen zu punkten. Nach unserer Leistung gestern bin ich mir fast sicher, dass auch gegen Nürnberg und Schalke was drin sein kann. Vielleicht können wir euch da ein bisschen unter die Arme greifen. Mich würde freuen.

17.04.22, 12:10:38

Glaubst du das das Spiel und der späte Gegentreffer ein Wirkungstreffer gesetzt hat, der die Mannschaft umwerfen könnte? als sie so vor euren Fans stand, sah das schon sehr niedergeschlagen aus

17.04.22, 12:14:21

Da hast du Recht. Ihr seid einer der „Kleinen“, die die „Großen“ ärgern können, neben ein paar anderen. Die Liga wird sowohl bis zum letzten Spieltag spannend bleiben.

Natürlich war die Mannschaft gestern enttäuscht. Ich glaube aber fest daran, dass Timo Schultz sie wieder aufrichten wird und sie gegen Darmstadt ein anderes Gesicht zeigen werden, zumal es ein Heimspiel ist – das war es gestern zumindest akustisch am TV allerdings auch 😉

17.04.22, 12:20:25

Das stimmt. Die 3 Punkte auf den Rängen gehen an euch. Da war wirklich 90 Minuten Alarm. Aber alles fair und total die gute Atmosphäre zwischen den AnhöngerInnen. Zumindest was ich mitbekommen habe. So kann das gerne immer sein. (Vor allem nach den Erlebnisse von letzter Woche als die Dresdner hier den Block auseinandergenommen haben)

17.04.22, 12:21:15

Hattest du schon Kontakt zu Leuten von euch, die hier waren? Wie fanden die die Stimmung und das Drumherum hier in Sandhausen?

17.04.22, 12:30:33

Das ist ja eigentlich immer so, wenn wir bei euch sind.

Und demnach war das Dresdner Klomonster auch bei euch!?

Ich kenne nur die Tweets, die rund ums Spiel entstanden sind. Da ist mir kaum Negatives aufgefallen, von ein paar „Saufpaulis“ mal abgesehen.

17.04.22, 12:34:24

Ja, muss ganz krass gewesen sein. Da sind wohl Rohre und andere Teile der Sanitäranlagen aus den Gästeblock Richtung SVS Fans geflogen. Deshalb umso schöner, dass man direkt in der Folgewoche sieht, dass es auch anders geht.

17.04.22, 12:35:29

Lass uns nochmal kurz zum sportlichen kommen. Was macht das Spiel von gestern mit deinen Aufstiegshoffnungen? Schafft ihrs trotzdem?

17.04.22, 12:43:07
Ja, ähnliche Erfahrungen haben wir auch gemacht, inklusive Angriffen auf Teile des Heimblocks.

Entgegen manch anderer in diesem Internet bin ich noch zuversichtlich. Wie ich weiter oben schon sagte, hängt es jetzt natürlich nicht mehr nur von uns ab, sondern auch davon, was die Konkurrenz macht. Positiv stimmt mich weiterhin, dass wir in den letzten 4 Spielen 3 Heimspiele haben. Wenn wir da gut aussehen, ist noch einiges möglich. Und im Zweifel wird es eben die unliebsame Relegation gegen Hertha, Stuttgart oder Bielefeld.

17.04.22, 12:46:07

Es wäre tatsächlich schade, wenn es bei der Qualität nicht reichen würde. Einen Hartel, Makienok oder Paqarada würd ich unheimlich gern mal in Liga 1 sehen.

17.04.22, 12:48:00

Abschließend fände ich’s interessant, wie du den SVS nach dem Spiel beurteilst. Bei anderen Teams muss man sich ja oft auf Statistiken und Zusammenschnitte verlassen um eine Meinung zu bilden. Oft deckt sich sowas dann nicht mit der Realität über 90 Minuten. Hast du noch ein paar Wörter zum SVS für mich? Die dürfen gern auch ehrlich sein 😉

17.04.22, 12:51:42

Nun, so mancher hätte sicherlich trotzdem Chancen, nächste Saison erstklassig zu spielen, ggf. halt ohne den FCSP.

Ich finde, dass da nicht nur personell ein anderes Team auf dem Platz stand als noch im Hinspiel. Grundsätzlich finde ich auch, dass ihr ebenso spielt, wie es eure Möglichkeiten hergeben. Negativ aufgefallen sind mir Nummer 7 (Soukou) und Nummer 17 (Zenga), die sehr körperlich zu Werke gingen. Und wie oben erwähnt: Ihr seid halt immer unangenehm, vor allem am Hardtwald.

17.04.22, 12:55:10

Soukou ist eigentlich einer unserer offensiven Antreiber, musste jedoch gestern viel nach hinten arbeiten. Manchmal auch über das erlaubte hinaus. Zenga ist eine Maschine, wenn es in Zweikämpfe geht. Unfassbar was der fightet und einem Spiel. Ist aber wohl ein Spieler, den man im eigenen Team liebt und beim Gegner dann eher verabscheut. Das kann ich gut verstehen.

17.04.22, 12:57:51 

Ja, das ist ja oft so.

17.04.22, 12:58:01

Gut Yannick, ich glaube wir machen den Deckel drauf. Vielen Dank für deine Zeit. Wir beide sprechen uns ja morgen nochmal für das nach NdS des MillernTon, worauf ich mich sehr freue. Wenn du hier auf diesem Weg noch was loswerden möchtest, ist das jetzt deine Chance 🙂

17.04.22, 12:59:21

Gern, Marco. Sowohl Gespräche im Podcast als auch dieses WhatsApp-Interview haben ja auch was therapeutisches. Wir hören uns morgen.

17.04.22, 13:01:55

Genau so fühlt es sich an 😅 bis morgen dann! Mach’s gut

17.04.22, 13:02:21

Du auch, bis morgen

Wer noch einen ausführlichen taktischen Bericht zum Spiel gestern lesen möchte, verweise ich guten Gewissens an den MillernTon. Da hat Tim wie immer eine super Analyse veröffentlicht, die sich etwas mehr mit dem FC St. Pauli beschäftigt, jedoch auch einen Blick auf den SV Sandhausen wirft.

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