#71 – Spieler im Gespräch (#1): Maurice Deville

Am 31.01.2022 wechselte Maurice Deville aus Saarbrücken nach Sandhausen und ich freue mich, dass er sich nach so kurzer Zeit am Hardtwald schon dazu bereit erklärt hat, mir als erster Spieler Fragen für den Blog zu beantworten. Damit ist er auch der erste Profi überhaupt, den ich auf diese Art etwas besser kennenlernen durfte. Gerade mit Blick auf die geringe Reichweite des Blogs ist das nicht selbstverständlich und spricht umso mehr für den Spieler Maurice Deville. Die Fragen kamen per Mail bei ihm an, die Antworten per Sprachnachricht dann zu mir. Natürlich freue ich mich auch über Rückmeldung auf dieses neue Format und hoffe, dass bei positivem Echo, noch weitere Beiträge dieser Art folgen werden. Nutzt also gern die Kommentarfunktion oder die bekannten Kanäle.

Jetzt wünsch ich euch jedoch zuerst viel Spaß beim ersten Interview – Fragebogen mit Maurice Deville, dem ich hiermit auch nochmal auf „großer Bühne“ danke sagen möchte, dass er mir die Möglichkeit dazu gegeben hat.

© SV Sandhausen 1916

Der Wechsel am Deadline Day kam für Fans des SVS überraschend. Auch Mikayil Kabaca sprach von einem absoluten Last-Minute Transfer. Wie kann man sich so etwas vorstellen? Wie lief der Tag für Sie ab und waren sie ähnlich überrascht wie die Fans?

Da in Sandhausen Charlison Benschop kurzfristig den Verein verließ und der SVS einen großen, kopfballstarken Ersatz und damit auch Back-Up für Paco Testroet benötigte, bekam ich von meinem Berater den Hinweis, dass da eine Möglichkeit besteht. Da ich mich schon vorab mit einem Wechsel im Winter beschäftigt hatte und ich mir dadurch den Traum von weiteren Zweitligaeinsätzen erfüllen konnte, musste ich nicht lange überlegen. Natürlich wurde es trotzdem hektisch, da ich in Saarbrücken noch Vertrag hatte und auch immer wieder zu meinen Einsätzen kam. Hier mussten mein Berater und ich dann zuerst mit dem Trainer und Sportmanager vor Ort sprechen, um abzuklären, ob der Wechsel überhaupt zustande kommen könnte. Nachdem beide dann ihr OK gaben, ging es schnell und ich war happy mit der Entscheidung.

Was persönlich erhoffen Sie sich vom Wechsel an den Hardtwald für ihrer Karriere? Welche Chancen eröffnet der Wechsel und birgt er auch Risiken für Sie?

Für mich war es die Chance meines Lebens nochmal in der zweiten Liga zu spielen, auch wenn es nur bei dem halben Jahr bleiben sollte. Letztendlich arbeite ich jetzt natürlich darauf hin, über den Sommer hinaus hier am Hardtwald bleiben zu können. Das am liebsten natürlich in der zweiten Liga, was auch ganz klar das Ziel ist, für das ich alles investiere. Natürlich sollte man niemals nie sagen und man hat auch schon andere Spieler gesehen, die mit 31-32 Jahren in der Bundesliga debütiert haben. Jedoch bin ich mir sehr wohl bewusst, dass ich mit bald 30 Jahren nicht so vermessen sein darf, sondern würde mich einfach freuen, wenn ich nächstes Jahr gemeinsam mit dem SVS in Liga Zwei spielen könnte.

Hand aufs Herz. Welchen Blick hat man als Spieler der schon bei einigen traditionsreichen Vereinen gespielt hat auf einen Club wie den SV Sandhausen? 

Natürlich kann man das nicht komplett vergleichen, jedoch habe ich meine Karriere in Elversberg bei einem Verein begonnen, der gewisse Ähnlichkeiten mit dem SV Sandhausen aufweist. Auch wenn die Vereine im Vergleich zu Waldhof Mannheim oder dem 1. FC Kaiserslautern etwas kleiner sind, identifiziere ich mich immer zu 100% mit meinem Verein und seinen Fans. Ich freu mich über jeden Fan der im Stadion ist und jede Zuschauerin die uns, wie jetzt auch in Darmstadt, unterstützt. Unabhängig von der Anzahl, ist es immer mein Ziel die Fans im Stadion glücklich zu machen.

Sie sind seit über 10 Jahren Profi. Von außen betrachtet waren die Jahre in Mannheim die erfolgreichsten Ihrer Karriere. Haben Sie den Abschied vom Waldhof auch schon mal bereut?

Das Jahr nach meinem Abschied aus Mannheim war für mich persönlich kein gutes. Natürlich kam mir der Gedanke schon ab und an. Jedoch muss man auch sagen, dass die Mannschaft in Mannheim ja zu großen Teilen auseinander ging, der Trainer wurde gewechselt und letztendlich war es nicht mehr die Truppe, mit der wir den Aufstieg feiern konnten und vor der Corona Pause auf Platz zwei der dritten Liga standen. Wäre die Mannschaft in der Konstellation des Aufstiegs zusammengeblieben, wäre ich sehr wahrscheinlich nicht nach Saarbrücken gewechselt, da wir als Team gut harmoniert haben und ich mich sehr wohl gefühlt habe. Letztendlich war das jedoch nicht der Fall und deshalb gibt es auch keinen Grund, den Wechsel zu bereuen.

In Saarbrücken kamen Sie leider nicht auf die Einsatzzeiten wie Sie es noch aus Mannheim gewohnt waren. Wie geht man als Spieler mit so einer Situation um? Schafft man es trotzdem die Spannung dauerhaft hochzuhalten?

Ja, man schafft das. Aber es ist nicht einfach. Mental waren das anderthalb unglaublich schwere Jahre, durch die ich mich aber auch durchgekämpft habe. Solche Phasen gab es in meiner Karriere schon öfter und die Erfahrung hilft einem bei einem ständigen Auf und Ab schon, die Situationen richtig zu bewerten und dementsprechend damit umzugehen. Letztendlich bin ich auch in gewisser Weise stolz auf mich, dass ich trotz einiger Rückschläge in der zweiten Liga angekommen bin. Hier haben mir auch sicher die Länderspiele mit Luxemburg geholfen, in denen ich immer durchgezogen habe und dadurch auch Minuten und Erfahrung sammeln konnte.

Aachen, Elversberg, Kaiserslautern, Mannheim, Saarbrücken, jetzt Sandhausen und dazu die Nationalmannschaft. Knapp 300 Spiele im Seniorenbereich. Gibt es Momente Abseits der Debüts oder Aufstiege, an die Sie sich gerne zurückerinnern?

Meine nachhaltigste Erinnerung ist auf jeden Fall mein erstes Zweitligator beim 1. FC Kaiserslautern in Berlin gegen Union, als ich in der 87. Minute eine Minute nach meiner Einwechslung zum 2:2 einköpfen konnte. Es war mein erstes Spiel überhaupt, niemals hätte ich überhaupt gedacht soweit zu kommen. Einen Monat vorher war ich noch bei den Amateuren, dann verletzt sich jemand, ich komm in den Kader und netze direkt im ersten Spiel. Kurz zuvor ist meine Oma gestorben, was dem Tor eine noch größere Bedeutung gibt. Diese Erinnerung wird immer die Nummer eins für mich sein, auch wenn ich natürlich gerne an den Aufstieg mit Waldhof zurückdenke, der auch total emotional war, weil da eine Menge Arbeit drinsteckte.

Der Start in Sandhausen verlief positiv. 6 Einsätze in 7 Partien und immer wieder auch direkt frischen Schwung ins Spiel gebracht. Was sind Ihre persönlichen Ziele mit dem SVS und was ist mit der Mannschaft im Allgemeinen möglich?

Ich bin superglücklich, dass wir bisher noch kein Spiel verloren haben, viel gewonnen und auch einige Unentschieden gegen Topmannschaften holen konnten. Der Start war also top, dass stimmt schon. Auch wenn ich bis jetzt noch kein Tor erzielt hab, konnte ich in den meisten Spielen meinen Beitrag leisten. Für mich ist auch nicht entscheidend, dass ich Tore mache, sondern das ich der Mannschaft helfen kann. Aktuell sind wir in der Rückrundentabelle zweiter oder dritter, dass zeigt was möglich ist. Ziel ist jetzt natürlich der Klassenerhalt, den wir so schnell wie möglich realisieren wollen. Wenn wir dann nächste Saison mit einem Großteil der Mannschaft weitermachen und an die Rückrunde anknüpfen können, dann kann meiner Meinung nach schon etwas durchaus Positives entstehen.

Persönlich, aber auch im Kollektiv läuft es seit ihrem Start in Sandhausen mehr als gut in der Liga. Wie erlebt man als einzelner Spieler, aber auch als gesamtes Team eine solch erfolgreiche Phase in der alles etwas leichter zu fallen scheint und man nicht nur gefühlt „unschlagbar“ ist?

So eine Phase ist einfach geil und macht Spaß. Durch die Erfolge hat sich relativ schnell eine Mannschaft entwickelt, die sich bei einem weniger erfolgreichen Verlauf der Spiele sicher nicht so schnell gefunden hätte. Auch punktetchnisch würden wir natürlich nicht so gut dastehen wie aktuell. Durch die erfolgreichen Spiele sind wir als Team sehr schnell zusammengewachsen, was auch dazu führt, dass ich mich sehr schnell, sehr wohl gefühlt habe in Sandhausen. Normalerweise dauert so etwas länger. Durch die letzten Wochen haben wir eine solche Verbundenheit als Team entwickelt, auf der wir aufbauen können und am Samstag gegen Rostock am besten direkt weitermachen.

Die Kurpfalz an sich dürfte Ihnen nach den Jahren in Mannheim nicht unbekannt sein, das einleben dementsprechend leichtfallen. War das mit ein Grund, sich auf den SVS einzulassen? 

Sicherlich war es auch ein Grund, jedoch war der Wunsch zweite Liga spielen so groß, dass ich das Angebot auch angenommen hätte, wenn Sandhausen nicht in der Kurpfalz läge. Nichtsdestotrotz war es ein perfektes Match für mich und meine Familie. Meine Frau arbeitet noch im Saarland und wenn ich dann doch mal zu ihr nach Hause fahren möchte, bin ich in 1,5 Stunden dort. Ansonsten habe ich hier eine möblierte Wohnung, kenne die Gegend gut und fühl mich mega wohl.

Mit 59 Länderspielen stehen Sie unter den Top 20 der Rekordspieler Luxemburgs. Was bedeutet es Ihnen, für das Heimatland ihres Vaters aufzulaufen?

Es bedeutet mir sehr viel für Luxemburg zu spielen, ich bin immer gerne da. Klar ist es ein kleines Land und ich wurde auch oft dafür belächelt, aber wir entwickeln uns immer weiter und holen auch immer bessere Ergebnisse. Mittlerweile haben wir uns schon in einen Lostopf mit der Türkei hochgespielt und sorgen auch ab und an für Überraschungen oder bringen große Gegner in Bredouille. Gegen Portugal zum Beispiel verlieren wir zu Hause zwar 3:1, sind aber ebenbürtig und hätten an dem Tag auch gewinnen können. Mittlerweile spielen wir mit der Nationalmannschaft wirklich guten Offensivfussball und bringen den Leuten dadurch wirklich Spaß. Ich bin auch stolz ein Teil dieser Mannschaft zu sein, in der gerade eine neue Generation heranwächst. Mittlerweile spielen da gute Jungs, die alle in der ersten Liga, teilweise sogar in der Championsleague aktiv sind. Das ich immer noch auf meine Minuten komme, ist richtig geil und macht mir großen Spaß.

6 Kommentare zu „#71 – Spieler im Gespräch (#1): Maurice Deville

Gib deinen ab

  1. Sehr schöner einblick in die Gedankenwelt des Maurice Deville. Er wirkt auf mich trotz seiner Erfolge sehr bodenständig. Das macht Ihn Sympatisch. In Liga 3 hatte Maurice diese Saison nur 370 mi. gespielt aber dennoch 2 Treffer. Das ist doch recht ordentlich. Mir hat er bei seinen kurzen Einsätzen für Sandhausen bisher gut gefallen. Mit Ihm kam immer nochmal richtig Schwung in die Partie. Ich hoffe er kann in Sandhausen seine Träume verwirklichen und bleibt uns noch länger erhalten.

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    1. Hat sich für mich auch so angehört als hätte er da Lust drauf, hier was mit anzuschieben. Und jemanden mit der Qualität, der nicht frustriert mit der Back-Up-Rolle umgeht, ist enorm wichtig für ne Mannschaft.

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