#70 – VDS / SV Sandhausen – FC Hansa Rostock

Ein weiterer Abstiegsgipfel findet am kommenden Wochenende im Sandhäusener Hardtwald statt. Am 19.03.2022 empfängt der SV Sandhausen Hansa Rostock um 13.30 Uhr im Rahmen des 27. Spieltages der zweiten Bundesliga. Auch wenn hier der 15. der Tabelle den 12. Empfängt, ist nicht mit dem typischen Abstiegskampf, sondern viel mehr mit einem spannenden und auch unterhaltsamen Fußballspiel zu rechnen.

Was das Spiel nicht ist, ist traditionsreich. Insgesamt standen sich beide Vereine erst 3x auf dem Feld gegenüber, wobei es bei einem Sieg für den SVS, einem für Hansa und im Hinspiel dieser Saison für ein Unentschieden reichte. Die Siege konnten die beiden Kontrahenten in der Saison 2011/2012 in der 3. Liga jeweils auf des Gegners Platz feiern, was also für das kommende Spiel einen minimalen Vorteil in der Historie für die Gäste von der Ostsee ausweist.

Auch die Trainer haben keine überbordende Historie gegeneinander bzw. gegen den jeweiligen Verein, aber eben doch ein bisschen mehr als im Vereinsduell. Alois Schwartz stand dem FC Hansa Rostock bisher 7 Gegenüber. Davon verlor er nur 1 Spiel, konnte jedoch auch nur 1 gewinnen, was einen Punkteschnitt 1,22 macht. Dem Gegenüber steht ein Punkteschnitt von 2 den Jens Härtel in seinen beiden bisherigen Duellen gegen den SVS einfuhr. Im direkten Duell der Trainer haben wir ein ausgeglichenes Ergebnis, da es in 4 Aufeinandertreffen der beiden, jedem jeweils einmal vergönnt war, den Platz als Sieger zu verlassen. Aufgrund Härtels besserem Punktschnitt gegen den SVS geht also auch die Kategorie Trainer an den Gast aus Rostock.

Historie hin, Historie her. Auch der Blick ins jetzt ist wichtig. Und hier zeigen die nackten Zahlen gar nicht so einen Unterscheid zwischen den beiden Teams auf. Vor dem 27. Spieltag trennen die beiden Vereine nur einen Punkt und 2 Plätze (SVS: 15, 30 ; FCH: 12, 31). Gleichzeitig treffen 2 Teams aufeinander, die in der Formtabelle der letzten 5 Spiele auf Platz 8 (SVS) und 10 (FCH) liegen und sich somit weit weg von der realen Abstiegsgefahr befinden. Noch beeindruckender ist der Blick auf die Rückrundentabelle, auf der der SV Sandhausen weiterhin einen Aufstiegsplatz einnimmt, während Hansa auf Platz 9 steht. Schaut man sich genauer an, wo die beiden Vereine ihre Punkte geholt haben, erkennt man auch, dass der SVS weiterhin extremen Nachholbedarf im heimischen Hardtwald hat. Ähnlich wie die Rostocker, haben die Kurpfälzer nur ca. 33% ihre Punkte in Heimspielen geholt, während beide Teams auswärts effizienter auftreten. Auch wenn das Momentum des SVS mit 7 Spielen ohne Niederlage beindruckend ist, geht auch diese Statistik an den Gast aus Rostock.

Knapper als sonst, aber trotzdem im Hintertreffen. Das könnte die Überschrift für die Expected Goals des SV Sandhausen sein. Während die Sandhäuser zu Hause weiterhin nicht über einen xG Wert über 1 kommen (0,96), schaffen die Gäste aus Rostock auswärts den Sprung über die magische 1 (1,13). Bei den Gegentreffern hat wiederum der SVS die Nase vorne. Mit einem xGA Wert zu Hause von 1,57 schlägt man die Gäste knapp (1,68, xGA Away). Auch in dieser Kategorie muss sich der Gastgeber letztendlich geschlagen geben, was aber nichts Neues ist. Hier trägt der SVS das Päckchen aus der Vorrunde, dass wohl bis zum Saisonende auch nicht mehr anders werden wird. 

Die meisten Kategorien waren zwar haarscharf, aber letztendlich schlug das Pendel doch immer Richtung Hansa Rostock aus. Somit haben wir rein statistisch ein 0:4 für den Gast von der Ostsee und hoffen einfach, dass die Statistik wieder mal von der Realität in die Schranken gewiesen wird und der SVS am Wochenende zeigt, dass egal ist, was in der Vergangenheit war und nur die Gegenwart zählt.

Der Gegner                 

Den Gast aus Rostock stellt uns diese Woche Uwe aus Mecklenburg vor. Uwe wurde in den 70er und 80er Jahren als Fan von LOK Leipzig fußballerisch sozialisiert und geht seit Mitte der Neunziger regelmäßig zu Hansa. Ab 2006 war er über 10 Jahre als Redakteur bei hansafans.de aktiv und betreibt seit 2011 den hanseator-Blog, was beides sehr lesenswert ist. Unter diesem Pseudonym ist er auch auf Twitter zu finden, wo er sicherlich auch von seinem großen Traum, einer Europapokalsaison mit Hansa oder zumindest einem DFB Pokalfinale, berichten würde. Bevor es zur Verwirklichung dieser Träume kommt beantwortete er mir die Fragen zu Hansa gewohnt unterhaltsam. Viel Spaß damit.

Als der SV Sandhausen 2012 zum ersten Mal in die zweite Bundesliga aufstieg, stieg Hansa in die 3 Liga ab. Damals war sicher nicht abzusehen, dass das erste Duell am Hardtwald in Liga 2 erst 10 Jahre später stattfinden wird. Wie erlebt man als Fan eines so traditionsreichen Vereins eine Dekade, wie sie der Verein zuvor noch nie durchmachen musste? 

2012 sind wir ja schon zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die 3. Liga abgestiegen. Für mich war dieser Abstieg nicht annähernd so traumatisierend wie der von 2010 (nach Relegation gegen Ingolstadt), den wollte ich lange nicht wahrhaben, allerdings gelang ein Jahr später der sofortige, relativ souveräne Wiederaufstieg, der bei der Wundheilung schon ganz gut mithalf.

Die postwendende Rückkehr in Liga 3 2012 war dann zwar auch kein Grund zur Freude, aber innerlich gingen nicht wenige Fans davon aus, dass eine erneute Rückkehr in die 2. Liga nach „kurzer“ Konsolidierung schon klappen würde. Schließlich sind wir immer noch Hansa Rostock, letzter DDR-Meister mit 10 Jahren Bundesliga am Stück, wo wir ja in Wirklichkeit hingehören, mindestens. Nun hat es doch etwas länger gedauert, wie wir lernen durften. 

Zehn Jahre in Liga 3, dabei einige Male mit viel Glück und zum Teil dank Schützenhilfe anderer Vereine nur haarscharf dem Sturz in die Regionalliga entronnen, mit ganz schlimmen Spielen und Ergebnissen gegen „Jugendmannschaften“ und „Freizeitteams“. Das soll nicht despektierlich klingen, aber die Entstehungsgeschichte der SG Sonnenhof Großaspach ist bekannt, auch Vereine wie die Sportfreunde Lotte führten uns im Ostseestadion nach allen Regeln der Kunst vor. Da lernt man Demut, zur Not auf die harte Tour, sogar als Fan.

Was uns die 3. Liga etwas „angenehmer“ erleben ließ, waren die zahlreichen Duelle und Wiedersehen mit alten Rivalen aus der DDR-Oberliga, wo auf dem Rasen die eine oder andere, zum Teil Jahrzehnte alte Rechnung beglichen wurde. Was das betrifft, hätten wir aus meiner Sicht noch ewig da bleiben können. Nur sind wir immer noch beim Leistungssport, da bedeutet Stagnation nun mal Stillstand, von den existenzbedrohenden finanziellen Sorgen ganz zu schweigen.

Der Saisonverlauf von Hansa gleicht mit dem Auf und Ab einer Alpenüberquerung, auf der man aktuell gerade wieder dabei ist einen Gipfel zu erklimmen. Wie zufrieden ist man an der Ostsee mit dem aktuellen Saisonverlauf?

Wir haben nach 26 Spielen 32 Punkte und immer noch alles selbst in der Hand. Das hätte ich vor der Saison sofort unterschrieben. Hansa hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt, besonders was die Verarbeitung von Rückschlägen angeht. Nach Beginn der Rückrunde hatte ich mitunter arge Bedenken hinsichtlich des Saisonausganges, aber die hat die Mannschaft wiederholt auf spektakuläre Weise zerstreut. Dass bei der Gelegenheit einem alten Rivalen auf dessen Platz einmal die Grenzen aufgezeigt werden konnten, rundet die Saison ab, wäre aber im Abstiegsfall ohne Wert. Zufrieden bin ich erst, wenn wir am 15. Mai im Ostseestadion gemeinsam mit dem HSV den Ligaverbleib feiern können. Das wäre tatsächlich der Gipfel.

13 neue im Sommer, 4 im Winter. Gleichzeitig 14 Abgänge. Ähnlich wie in Sandhausen gab es im Rostocker Kader einen großen Umbruch. Gerade nach einem Aufstieg werden dann auch unpopuläre Entscheidungen getroffen. Wie hat das Umfeld den schrittweisen Austausch der Aufstiegsmannschaft aufgenommen? 

Viele haben schon seit Jahren aufgehört, sich neue Spielernamen zu merken, zu groß war die jährliche Fluktuationsrate. Einmal lag das auch an den häufig wechselnden Trainern, die dann wiederum das Personal durchtauschten. Auch wenn Jens Härtel nun schon etwas länger im Amt ist, scheint die personelle Optimierung des Kaders und die Anpassung an geänderte Spielsysteme oder taktische Varianten ständiger Begleiter zu bleiben. Mein Gott, ich schreibe hier, als würde ich etwas davon verstehen. Also ganz klar: Ich habe mittlerweile 100prozentiges Vertrauen in das, was die sportlich Verantwortlichen beim FCH tun und werde da auch nicht ständig dazwischen quatschen, zumal mir da eh niemand zuhören würde. Zu Recht.

Wenn Jens Härtel noch knapp 20 Tage im Amt bleibt, löst er Frank Pagelsdorf als den Trainer mit der längsten Amtszeit nach der Wiedervereinigung ab. Als Trainer Nr. 11 nach dem Abstieg 2012 schaffte er mit Hansa den Wiederaufstieg. Was macht ihn zum richtigen Trainer für den FCH?  

Ich war bei seiner Verpflichtung sehr skeptisch, konnte mit seiner sehr distanzierten, humorlos wirkenden Art nichts anfangen, aber das sind eben auch nur Äußerlichkeiten, die nichts über die Qualität der geleisteten Arbeit aussagen. Er gilt als akribischer Arbeiter und hat den Mut, für die Öffentlichkeit unpopuläre Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Und die Vorschusslorbeeren, die ihm mir bekannte Fans an seinen früheren Stationen (besonders Union, 1. FCM) mitgaben, waren wohl doch nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Bis auf den gesperrten Rizzuto fehlen Härtel gegen Sandhausen nur die Langzeitverletzten Litka, Scherf und Omladic sowie der kranke Munsy. Wie könnte die Aufstellung am Hardtwald aussehen und mit welcher taktischen Ausrichtung wird Härtel seine Mannschaft aufs Feld schicken?

Hatte ich erwähnt, dass ich für Sportliches nicht wirklich der kompetenteste Ansprechpartner bin? Nun, in der 2. Liga hat Jens Härtel es immer mal wieder geschafft, gegnerische Trainer und Teams zu überraschen. Was dabei auffällig scheint, ist die neue Flexibilität im Angriffsspiel: eine Spitze, zwei Spitzen, Rolle der Außenspieler, Wechsel zwischen Kurzpassspiel und langen Bällen, variables Pressing. Ich denke, dass die Mannschaft für ihre Kontrahenten immer schwerer ausrechenbar aufläuft. Ok, eins dürfte sicher sein: Wenn er gesund ist, steht Marcus Kolke im Tor. Überraschung! Lassen wir uns einfach weiter überraschen. Ach so, es hat sich nun auch in Rostock herumgesprochen, dass man für drei Punkte einfach nur ein Tor mehr als der Gegner schießen muss.

Von Dresden bis Regensburg, evtl. sogar bis Karlsruhe, kämpfen 8 Mannschaften darum, nicht auf dem Relegationsplatz zu landen. Was macht dich sicher, dass es am Ende nicht doch Hansa trifft, sondern folgendes Team in die Relegation muss.

Dafür, dass es in der Frage des Klassenerhaltes keine Sicherheit gibt, ist euer SVS der beste Beweis. Ihr werdet es sicher nicht als Kränkung empfinden, aber schon Mitte der Hinrunde gab es wohl kaum jemanden, der daran zweifelte, dass die Abstiegsfrage in der 2. Liga praktisch entschieden wäre, für euch war immerhin die Relegation vorgesehen, einer muss (besser: darf) nun mal ran. Und dann fangt ihr plötzlich an, euch Punkt für Punkt heranzuarbeiten, wie eine Hummel, die nach physikalischen Gesetzen nicht fliegen dürfte, davon aber nichts weiß und es einfach tut. Alle Achtung! Oder schau dir Aue an, die sollte man auch keinesfalls abschreiben. Leider hat Hansa in den berühmten 6-Punkte-Spielen sehr viele Punkte liegen lassen, Unentschieden gegen euch und Ingolstadt, gegen Aue sogar verloren. Von Sicherheit kann meinerseits also überhaupt keine Rede sein.

Und doch konnten wir diese ärgerlichen Ausfälle mit teils sehr erstaunlichen Resultaten bislang kompensieren, Stichwort: Dynamo, Schalke. Nun müssen wir versuchen, diesen Schwung ins Saisonfinale mitzunehmen. Dann könnte es am Ende tatsächlich für uns reichen. Die Relegation darf von mir aus gern Holstein Kiel bestreiten. Dann würde ich mich nach der Saison mit Fin Bartels treffen und ihn fragen: Na Fin, weißt du es jetzt? Who the f#@k is Hansa Rostock?

Zum Abschluss die Frage aller Fragen fürs Wochenende: Wie geht das Spiel am Hardtwald aus?  

Vor meinem Tipp noch eine Bemerkung: Ich hatte ja über Demut geschrieben. Dazu gehört auch anzuerkennen, dass sich die deutsche Fußball-Landkarte geändert hat und weiterhin ändern wird. Das bedeutet eben, dass der SV Sandhausen dank kontinuierlicher Arbeit und mit dem manchmal nötigen Glück jetzt ein solider, etablierter Zweitligist ist, was für uns im Moment ein realistisches, aber arbeitsintensives Ziel ist. 

Aber jetzt nehmen wir erst mal die Punkte mit.  Ergebnis: SVS-FCH 1-2

Der SVS

Wie lief das letzte Spiel und welchen Einfluss hat das auf das Spiel gegen Rostock?

Das vergangene Spiel in Darmstadt war für das Selbstbewusstsein der Mannschaft enorm wichtig. Lange bei einem Aufstiegsaspiranten einem Rückstand hinterher zu laufen, jedoch immer das Gefühl zu haben, dass hier noch was möglich ist, ist für die Mannschaft des SV Sandhausen aktuell kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Umso besser natürlich, dass durch den Treffer von Ahmed Kutucu dann tatsächlich noch der Punkt gerettet werden konnte.

Solche Erlebnisse, aber auch Ergebnisse zeigen der Mannschaft, dass sie aktuell wirklich mit jedem anderen Gegner in Liga zwei mithalten kann. Vor dem Spiel gegen Hansa Rostock steht nun eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage am Stück. In diesen sieben Spielen war bei weitem nicht nur Laufkundschaft auf der gegnerischen Seite auf dem Platz. Mit Hamburg, Heidenheim und Darmstadt handelte es sich vielmehr um drei Mannschaften die immer noch ein mehr oder weniger großes Wort im Aufstiegskampf mitreden können. Nun kommt mit Hansa Rostock ein Gegner vom Kaliber der Mannschaften, die in den vergangenen Wochen alle samt besiegt wurden. Ein Gegner, der nicht abgeschlagen am Tabellenende steht und immer wieder bewiesen hat, dass er auch den großen ein Schnippchen schlagen und auch gleichwertige Gegner schlagen kann. Ähnlich den Mannschaften aus Aue Karlsruhe oder auch Hannover die allesamt vom SV Sandhausen mehr oder weniger souverän besiegt wurden.

Nichtsdestotrotz muss man auch das Momentum von Hansa Rostock mit einbeziehen, wenn man über das kommende Spiel spricht. Mit einem 3:4 auf Schalke und einem 3:2 zu Hause gegen Holstein Kiel hat sich auch Hansa in eine komfortable Ausgangslage für den kommenden Abstiegskampf gebracht. Nicht nur dass die Mannschaft 6 Punkte aus den vergangenen beiden Partien holte, sondern vielmehr die Tatsache wie die Siege zu Stande kamen, wie dramatisch die Spielverläufe teilweise waren, ist hier zu beachten. Ähnlich wie der SV Sandhausen muss sich aktuell auch die Mannschaft von Jens Härtel nahezu unbesiegbar fühlen.

Hier wird es also am Samstag entscheiden, wer sein aktuelles Momentum besser auf den Platz bringen kann. Sicher ist auf jeden Fall, dass die vergangenen Spiele beide Mannschaften dahingehend gepusht haben, dass sie nicht mit hängenden Köpfen in das so wichtige Kellerduell, was sich bei weitem nicht so anfühlt, gehen werden.


Wie könnte die Mannschaft auflaufen?

Diesen Abschnitt beginnen wir wie jede Woche mit der Aussage, dass bis auf die Langzeitverletzten Wulle, Kister, Rehnen und auch Biada der komplette Kader zur Verfügung steht. Dies stimmt natürlich nur, wenn sich die verletzungsbedingt Auswechslung von Trybull in Darmstadt nicht als etwas Langwieriges herausstellen sollte.

Für den SVS wäre es absolut fatal, wenn ihr Metronom in defensiven Mittelfeld ausfallen würde. Sollte Trybull jedoch Einsatz bereit sein, wird sich zu den Aufstellungen der vergangenen Wochen wenig bis nichts verändern. Aufgrund des zu erwartenden Spiels, wird sich die taktische Ausrichtung von Alois Schwartz nur sehr, sehr marginal verändern.

Hansa hat in den vergangenen beiden Spielen gezeigt, dass sie in der Lage sind Fehler in der Defensive des Gegners eiskalt auszunutzen, jedoch auch selbst anfällig für viele Gegentreffer sind. Ein Gegner also ganz nach der Fasson einer Alois Schwartz Mannschaft. Wenn sich der SVS in den vergangenen Parteien eine Stärke erarbeitet hat, dann ist es die defensive Stabilität um die Innenverteidigung und das defensive zentrale Mittelfeld, welche Schwartz niemals auseinanderreisen würde.

Gleichzeitig kann ich mir aber auch vorstellen, dass die rechte Seite, die gegen Darmstadt begann, wieder aufgebrochen wird und einer der beiden auf die Bank weichen muss. Von dort würde dann Berko oder Kinsombi auf die angestammte Linksaußen Position rotieren können und somit der Platz auf der rechten Außenbahn für Soukou wieder frei gemacht werden. Gerade was die Besetzung der Flügelpositionen angeht habe ich persönlich gar keine großen Präferenzen, sondern lasse mich da von Schwarz überraschen. Müsste ich mich festlegen, würde ich Ajdini eine Pause geben und mit Diekmeier auf der Rechtsverteidigerposition beginnen. Vorne links würde Berko nach seiner vertraglich vereinbarten Pause gegen Darmstadt zurück in die Startelf beordert werden, so dass man mit Kinsombi bei Bedarf in Halbzeit zwei noch mal frischen Wind und spielerische Qualität nachlegen könnte.

Jedes Spiel ist wichtig, klar. Aber wie ist das kommende Spiel einzuordnen? Wo geht die Reise hin, welche Gefahren, aber auch Möglichkeiten bietet das Aufeinandertreffen mit dem FC Hansa?

Normalerweise würden wir beim einem Spiel zwischen dem SV Sandhausen und dem FC Hansa Rostock in der aktuellen Tabellenkonstellation von einem sechs Punkte Spiel mit richtungsweisendem Charakter für den Abstiegskampf sprechen. In dieser zweiten Liga jedoch kann man die Spiele gegen direkte Konkurrenten gar nicht mehr als so wichtig deklarieren, wie man es noch zu in früheren Jahren getan hätte. Die Tatsache, dass Woche für Woche Favoriten über Kellerkinder stolpern, führt dazu, dass die Spiele gegen direkte Konkurrenten nicht mehr allein entscheidend sind, wenn es um die Platzierungen geht.

Nichtsdestotrotz ist das Spiel am Wochenende natürlich wichtig. Bei einem Sieg der Gäste würden Sie den SV Sandhausen auf vier Punkte distanzieren und somit mindestens auch den Abstand auf den Relegationsplatz halten. Für den SVS, würde eine Niederlage jedoch nicht gleich bedeuten, dass die Aussichten auf den Klassenerhalt frappierend gesunken wären. Mit einem Sieg würde man tabellarisch natürlich einen Schritt nach vorne machen und zumindest den direkten Gegner aus Rostock überholen.

Wie schon vor Wochen gesagt wird es dieses Jahr sicherlich annähernd 40 Punkte brauchen, um nicht auf den Relegationsplatz abzurutschen. Drei Punkte mehr würden den Sportverein also faktisch näher an das Saisonziel bringen. Bei entsprechenden Ergebnissen der Konkurrenz aus Dresden, Kiel, Düsseldorf und Hannover könnte der Abstand auf Platz 16 sogar noch ausgeweitet werden. Jedoch wird auch nach diesem Spieltag noch keine Vorentscheidung gefallen sein. Mit dieser rechne ich frühestens und auch das ist noch bei weitem nicht sicher, im kommenden Heimspiel, wenn Dynamo Dresden zu Gast am Hardtwald ist. Am heutigen Samstag gilt es letztendlich eine, für die finalen Wochen nach der letzten Länderspielpause des Jahres, bestmögliche Ausgangsposition zu schaffen und den aktuell Lauf beizubehalten.

Was beschäftigt den geneigten SVS Anhänger sonst noch so?

Viel Kleinkram, nichts Existenzielles. Anders kann ich es leider nicht ausdrücken. Nach 7 Spielen ohne Niederlage hat sich der zu Jahresbeginn noch berechtigte Zorn des Publikums auf die Entscheidungsträger des Vereins weitestgehend verflüchtigt. Aus Sicht der Fans des SVS gibt es gerade relativ wenig, an dem man sich reiben kann. Zumindest oberflächlich. Strukturell gibt es sicher noch Punkte, die Diskussionswürdig wären, jedoch aktuell auch zurecht in den Hintergrund gerückt sind. Was aktuell zählt ist der Klassenerhalt und daran glauben mittlerweile wieder alle im und um den Verein.

In solchen Situationen wird dann gern mal auch über unwichtigere Dinge gesprochen und sich an diesen abgearbeitet. So auch diese Woche, in der wiedermal Wolfgang Brück Stein des Anstoßes war und mich zum Nachdenken darüber brachte, warum der Zuschauerschnitt des SVS der ist, der er eben ist. Es geistern Aussagen durch die gängigen Kanäle, dass eine bessere Berichterstattung mehr Zuspruch auf den Rängen zu Folge hätte. Da gehe ich nicht mit, sondern sehe da einzig und allein den Verein in der Position etwas ändern zu können. Es geht darum Menschen anzusprechen, die noch nicht so viel mit dem SV Sandhausen verbinden und diese dann auch an den Verein zu binden. Das geht natürlich am ehesten über Erfolg und dieser ist eben für Vereine wie den SV Sandhausen limitiert. In einer erfolgreichen Zweitligasaison, an deren Ende man vielleicht auf Platz 7 oder 8 einläuft bleiben sicher mehr ZuschauerInnen hängen, als in einer Saison in der man zu Hause kaum Punkte holt, unterirdischen Fußball spielt und nur knapp dem Abstieg entgeht.

Was an den durchschnittlichen Besucherzahlen abzulesen ist, ist die Erhöhung des Schnitts durch die jeweiligen Aufstiege. Der Schritt von der Oberliga in die Regionalliga war mit einem ähnlichen Zuwachs verbunden wie der Übergang in die 3. Liga. Der Aufstieg in die zweite Liga verdoppelte die Zuschauerzahlen dann abermals, bevor sie sich von Saison zu Saison nur noch marginal erhöhten. Nichtsdestotrotz schaffte es der Sportverein seit dem Aufstieg im Jahr 2012 bis zur letzten vollständigen Saison vor der Pandemie in 2018/2019 den Schnitt von ca. 5100 auf ca. 7000 zu erhöhen. Eine konstante Zuschauerentwicklung ist also möglich und kann durch gezielte Aktionen gefördert werden. Sei es das Werben um Kinder und Jugendliche, die häufig als die Fans von morgen bezeichnet werden oder um Erwachsene, die neu in die Region ziehen. Menschen die noch keine Verbindung zum Verein haben, müssen die Möglichkeit bekommen, diese aufzubauen. Und dazu braucht es vor allem eins: Eine Mannschaft, die Emotionen weckt und auch transportiert. Ein Spielstill, der ZuschauerInnen fesselt und mitnimmt und eine Außendarstellung des Vereins, die die Leute dazu bringt, sich mit dem Verein und seinen Werten zu identifizieren.

Die Berichterstattung ist dafür jedoch nicht zuständig. Vielmehr wird die Berichterstattung steigen, wenn ein größeres Interesse am Verein vorhanden ist. Selbst im Internet, wo es ja bekanntlich wirklich jeden Mist gibt, fällt es einem zunehmend schwerer Informationen oder Berichterstattung rund um den Sportverein zu finden. Einige wenige investieren ihre Freizeit und treiben kleiner Projekte als Art Hobby voran, jedoch gibt es im Rahmen solcher Personen niemals die Möglichkeit ein Pensum zu liefern wie ein professionelles Medium. Und dadurch fällt es auch schwerer grundsätzlich Interessierte zu binden. Was auch daran liegt, dass es eben nicht ganz so viele Interessenten überhaupt gibt. Im großen Fussballbuisness ist der SV Sandhausen nur ein Nischenprodukt. Meiner Meinung nach ist das ein großes Glück und es gilt diese Nische so gut es geht auszufüllen und vielleicht auch auszureizen. Ziel des SV Sandhausen sollte natürlich schon sein den Zuschauerschnitt auf Sicht zu erhöhen und vielleicht die 10.000 anzupeilen, jedoch muss jedem auch bewusst sein, dass das ganz andere Vereine wie Paderborn, Aue, Regensburg oder Ingolstadt in Liga Zwei nicht regelmäßig erreichen. Und diese Vereine schleppen nicht den Malus mit sich herum, mit Vereinen Waldhof Mannheim, der TSG Hoffenheim, dem Karlsruher SC, den Adler Mannheim, den Rhein Neckar Löwen oder den MLP Academics konkurrieren müssen.

Spieltagstipp

SV Sandhausen – FC Hansa Rostock 3:1

Dem Ergebnis im Statistikduell zum Trotz, glaube ich an den Sportverein Sandhausen und an den aktuellen Lauf der Mannschaft. Im ersten Zweitligaduell beider Mannschaften am Hardtwald wird sich der SVS durchsetzen, aus einer defensiven Grundordnung heraus gezielte Konter setzen und somit recht deutlich und verdient das Spiel für sich entscheiden.

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