#48 – Machmeier, Kabaca & co. -Handeln Sie, Jetzt!

Viel wird in den vergangenen Wochen, Monate und Jahren über die sportliche Situation am Hardtwald diskutiert. Die Spieler werden für ihre Einstellung und ihre Leistungen auf dem Feld kritisiert, was oft auch gerechtfertigt ist. Das Trainerteam wird für die Aufstellung, die Taktik, die Wechsel und die Einstellung des Teams kritisiert, was ebenfalls meist gerechtfertigt ist.  Was jedoch zu Beginn oft noch weggeschoben wurde und nun immer mehr in den Fokus rückt, ist die Tatsache das dies seit nunmehr 2 Jahren bei wechselndem sportlichem Personal geschieht. Also kann die Schuld nicht nur bei diesem, austauschbaren und auch oft ausgetauschtem Personal gesucht werden.

Die höheren Instanzen zeigen deutlich mehr Konstanz in ihren Positionen und sind somit in den Augen der Fans nicht nur Teil, sondern in großem Ausmaß auch Grund der Problematik. Anlass genug sich diese Strukturen genauer anzuschauen und ihr Handeln in den vergangenen Jahren zu beurteilen.

In der aktuellen Hierarchie gibt es im Sportverein Sandhausen 3 handelnde Personen auf elementaren Positionen, die mehr oder weniger großen Einfluss auf das sportliche Geschehen nehmen können. Namentlich handelt es sich hierbei um Volker Piegsa (Geschäftsführer), Mikayil Kabaca (sportlicher Leiter) und Jürgen Machmeier (Präsident und 1.Vorsitzender).

Volker Piegsa ist seit 01.08.2017 beim SV Sandhausen im Amt. Zu Beginn seiner Amtszeit übernahm er die Bereiche Finanzen, Controlling, Lizenzierung, Marketing, E-Commerce, Sponsoring, IT, Merchandising, Ticketing, Social Media, Personal- und Fanwesen von Ottmar Schork, damit der sich damals mehr um den sportlichen Bereich kümmern konnte. Zuvor arbeitete Piegsa lange Jahre bei der SAP sowie bei der Telekom Tochter T-Systems in Südafrika und Europa. Die Aufgabe Piegsas war zu diesem Zeitpunkt klar definiert: Den SV Sandhausen in der Region und gerade bei jüngeren Fans präsenter zu machen. Schon damals wohnte der Verpflichtung Piegsas ein fader Beigeschmack bei, da der Kontakt zu Vereinspräsident Machmeier über die Ehefrauen zustande kam, die eine langjährige Freundschaft pflegen. Nicht von der Hand zu weisen sind trotz der Verflechtungen seine betriebswirtschaftlichen Qualitäten. Jedoch kann man sich über 4 Jahre nach seiner Verpflichtung trotzdem die Frage stellen, was er erreicht hat. Die Marke SV Sandhausen hat sich weder Regional, noch überregional weiterentwickelt. Zwar lässt die mit der Coronakrise einhergehenden Beeinträchtigungen ein klares Bild nicht zu, jedoch kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die Zuschauerzahlen nicht wesentlich zugenommen haben, sondern eher stagnieren zu scheinen. Gerade die aktuelle Saison hat gezeigt, dass selbst bei großen Gegnern wie dem SV Werder Bremen oder RaBa Leipzig keine zulässige Vollauslastung zustande kommt, sondern viele Plätze leer bleiben. Bei seiner Vertragsverlängerung im Frühjahr 2020 wurde ihm von Machmeier jedoch „Wachstum in vielen Bereichen und Professionalisierung des Vereins“ attestiert, was ohne die genauere Innenansicht, auch als Tatsache hingenommen werden muss. Im Sommer 2021 kam es erstmals zu deutlicher Kritik am Geschäftsführer, die auch überregional wahrgenommen wurde und in der Presse vorkam. Die aktive Fanszene wies mit Spruchbändern auf vermeintliche Zustände auf der Geschäftsstelle hin, die über dritte an Sie herangetragen wurde. Unter anderem war zu lesen: „Wir. Echt Anders … Unfamiliär, Undankbar, Unprofessionell“. Ein anderes Plakat war direkt an Piegsa gerichtet: „V. Piegsa: Woher kommt die hohe Fluktuation auf der Geschäftsstelle? A: Krass Unterbesetzt, B: Unmenschlicher Führungsstil, C: Beides“. Die Beweggründe der Fanszene für diese Plakate sind übrigens auf der Homepage der Szene1916 nachzulesen. Nachdem der Verein direkt im Anschluss keine Stellungnahme dazu abgab, wurde das Gespräch zwischen Fans und Vereinsführung intern gesucht und im Anschluss daran verkündet, dass die Kommunikation zwischen beiden Parteien intensiviert werden soll. Zu anderen Vorwürfen, die während der Plakataktion erhoben wurden, wurde direkt Bezug genommen, die Vorwürfe gegen Piegsa wurden in der Außendarstellung jedoch komplett ignoriert. Da sich im Verlauf der Vorrunde eine weitere sportliche Talfahrt abzeichnete, wurde Piegsa nicht mehr Zielscheibe weiterer Kritik. Letztendlich bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Situation um den betriebswirtschaftlichen Geschäftsführer entwickelt.

Mit der sportlichen Situation hat die Person Volker Piegsa wahrlich am wenigsten zu tun, wenn man von wahnwitzig komunizierten Saisonzielen mal absieht. Jedoch war ein kurzer Abriss seiner Person trotzdem wichtig, um deutlich zu machen, wie der SV Sandhausen in der Führungsebene funktioniert. Die Seilschaften, die hier in der Vorstandschaft über Jahre geknüpft wurden, sind mit ein Grund für die Misere, in der sich der Verein aktuell befindet. Sehr deutlich wird dies an der Person Mikayil Kabaca, der durch seinen guten Draht zu Jürgen Machmeier, wie die Jungfrau zum Kind, an seine aktuelle Position gelangte.

Kabaca, der seine Karriere als Spieler die meiste Zeit in Frankfurt beim FSV verbrachte, wo er im Anschluss an auch weitere 9 Jahre als Teammanager arbeitete, trat am 01.07.2017 seinen Posten in Sandhausen an. Seine Zeit am Bornheimer Hang endete nach Jahren in der zweiten Liga mit zwei Abstiegen, an dessen Ende sich der FSV in der Regionalliga Südwest wiederfand, wo er auch heute noch beheimatet ist. Die Aufgabe des Teammanagers übernahm er auch zu Beginn seiner Zeit am Hardtwald. Zu Beginn noch unter der Führung des damaligen Geschäftsführers Sport Otmar Schork, der nach seinem Rücktritt im Jahr 2019 dann von Jürgen Machmeier ersetzt wurde. Mit diesem Wechsel änderte sich jedoch auch die Position Kabacas innerhalb des Vereins. Vom Teammanager stieg er zum sportlichen Leiter auf, der zwar immer noch Machmeier unterstellt war, jedoch den Mann mit der größten sportlichen Expertise im Vorstand darstellte. Faktisch übernahm er also die Aufgaben des Geschäftsführers Sport von Schork. Gefestigt wurde seine Position mit der Vertragsverlängerung im Frühjahr 2020.

In die Zeit, in der Kabaca alleinverantwortlich für den sportlichen Bereich zeichnet, stehen ein 10 Platz, ein 15 Platz und aktuell der 16 Platz in der zweiten Liga. 4 Trainerteams durften sich seit seiner Übernahme versuchen, wobei Schwartz jetzt der 3 ist, der von Kabaca installiert wurde. Auf dem Transfermarkt wurden in den vergangenen 6 Transferperioden 41 Zugänge verpflichtet, sowie 44 Spieler abgegeben. Mit Rick Wulle, Tim Kister, Aleksandr Zhirov, Dennis Diekmeier und Erik Zenga stehen 5 Spieler im Kader, die nicht von Kabaca in Hauptverantwortung verpflichtet wurden. In seiner Zeit als sportlicher Leiter stehen 300.000€ an Ausgaben, 3.100.000€ an Einnahmen Gegenüber, die sich jedoch hauptsächlich am Verkauf von Phillip Förster an den VFB Stuttgart ergeben. Soviel erstmal zu den harten Fakten. Das sind keine Zahlen, die mit Lobpreisungen überschüttet werden müssen, jedoch auch keine die per se dazu dienen, jemanden zum Teufel zu jagen. Die Zahl von 85 Transfers in 3 Jahren erscheint hoch und lässt den Schluss zu, dass gerade in dem Bereich auf die Try & Error Methode gesetzt wird. Auch die Tatsache, dass nur noch 5 Spieler im Kader stehen, die länger als 3 Jahre unter Vertrag sind, spricht nicht für Kontinuität.

Doch was bedeuten diese Zahlen in der Realität und kann man dafür wirklich nur Mikayil Kabaca verantwortlich machen? Zur Saison 2020/2021 lies sich der Verein in Person von Piegsa dazu hinreißen, dass Saisonziel Klassenerhalt gegen einen einstelligen Tabellenplatz auszutauschen. „Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Ich habe keine Lust mehr, dass wir uns als Abstiegskandidaten sehen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Geschäftsführer Volker Piegsa und erhielt Unterstützung vom damaligen Trainer Uwe Koschinat. Mikayil Kabaca untermauerte diese Ambitionen mit Transfers von Spielern wie Alexander Esswein, Daniel Keita-Ruel, Nils Röseler, und vor allem dem Champions League erprobten Diego Contento, die den SV Sandhausen aufgrund ihrer nachgewiesenen Qualität und Erfahrung auf ein neues Niveau heben sollten. Das dies schlussendlich nur ein von Hoffnung getragener Wunsch war, zeigt der Blick auf die Abschlusstabelle der Saison 20/21, wo der SV Sandhausen mit 34 nur einen Punkt vor dem Relegationsplatz einlief. Von den damals als Stützen und Leistungsträgern verpflichteten Akteuren, sind einige nicht mehr im Verein, einige stehen auf dem Abstellgleis und mit Esswein schafft es nur noch einer regelmäßig in den Kader, zeigt jedoch eher Leistungen zum Abgewöhnen.

Zur aktuellen Saison wurden die Saisonziele dann defensiver kommuniziert und ein erneuter Umbruch im Kader angekündigt, an dessen Ende auch eine Verjüngung der Mannschaft stehen sollte. Die aktuelle sportliche Bilanz ist hinlänglich bekannt und das Durchschnittsalter des Kaders liegt bei 28,1, teilweise in der Startelf bei 30 Jahren. Das ist mit Abstand der älteste Kader der zweiten Liga. Zwei Spielzeiten, zweimal die gesteckten Ziele weitestgehend verfehlt. Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Ergebnissen also über die Arbeit von Mikayil Kabaca ziehen?

Was man deutlich sagen kann ist, dass sich der Verein unter Kabacas sportlicher Führung nicht weiterentwickelt hat. Die Ergebnisse wurden schlechter, der Kader Älter und in Kombination mit der Coronakrise auch der Zuschauerzuspruch weniger. Im aktuellen Kader stehen mit Bashkim Ajdini, Patrick Drewes, Immanuel Höhn und mit Abstrichen Pascal Testroet und Chebio Soukou nur 5 Spieler, die annähernd die Erwartungen erfüllt haben und der Mannschaft weiterhelfen. Bei 41 Verpflichtungen sprechen wir also von einer Trefferquote von ca. 12%. Nur 12% der Spieler, die Mikayil Kabaca in seinen 3 Jahren in der Verantwortung verpflichten konnte, helfen der aktuellen Mannschaft weiter (Die 3 Neuzugänge der aktuellen Transferperiode ausgeklammert). Das ist eine elementare Zahl, an der sich Kabaca messen lassen muss. Auch wenn der Nutzen eines Spielers natürlich immer im Auge des Betrachters liegt, würde eine wissenschaftliche Erhebung sicher nicht auf gänzlich andere Werte kommen. In Sachen Kaderzusammenstellung muss nach 3 Jahren konstatiert werden, dass Kabaca nicht in der Lage ist, den Trainern eine Mannschaft zur Verfügung zu stellen, die in der zweiten Liga konstant konkurrenzfähig ist. Einzel betrachtet ergeben viele der Verpflichtungen Sinn, da die Spieler den Nachweis gewisser Qualitäten vereinzelt bei anderen Vereinen erbracht haben. Jedoch handelt es sich bei vielen Verpflichtungen auch um Wetten, die oft nicht aufgingen. Bei Spielern wie Esswein, Contento, Benschop, Ritzmaier, Conteh, Gaudino oder Diakhite hoffte man darauf, dass die Jungs in Sandhausen zu der Form zurückfinden, die sie mal auf den Radar der Scouts gebracht hatte. Alles sind Spieler, die entweder bei ihren Vereinen keine Chance mehr hatten oder gar vereinslos waren. Wenige Neuverpflichtungen kamen als Leistungsträger bei ihren ehemaligen Vereinen, wie es bei Höhn oder Ajdini der Fall war. Klar ist, dass der SV Sandhausen kein Verein ist, der Erstligisten oder ambitionierten Zweitligisten die Stammkräfte entreißen kann. Dieser Fakt sollte aber nicht dazu führen, zur Resterampe zu verkommen. Genau das ist aber unter Kabaca mit dem SVS passiert. Anstatt jungen, aufstrebenden, hungrigen Spielern eine Plattform zu bieten sich zu präsentieren und sich weiterzuentwickeln, wurden teilweise große, aber alternde Namen verpflichtet, die nicht mehr die Leidenschaft versprühen wie in früheren Tagen. Gleiches Muster ist nun auch wieder bei den 3 aktuellen Neuverpflichtungen zu erkennen. Sowas kann klappen und wenn es das tut, sind alle glücklich. Die Quote von 12% zeigt aber, dass das in Sandhausen in den letzten 3 Jahren zu 88% nicht geklappt hat.

Wenn die Transfers nicht zünden, dann liegt das entweder an den Transfers selbst oder am Trainerteam, dass die Spieler nicht optimal einsetzt/einstellt. Auch hier steht Kabaca in der Verantwortung. Nachdem in der Saison 2020/2021 nach 8 Spieltagen und 8 Punkten Uwe Koschinat seinen Hut nehmen musste, wurde mit Michael Schiele der erste „Kabaca-Trainer“ angestellt. Der Verlauf ist bekannt. 13 Spieltage später wurde Schiele mit 18 Punkten auf Platz 16. durch das Interimsduo Stefan Kulovits und Gerhard Kleppinger ersetzt, die in der gleichen Anzahl an Spielen 6 Punkte mehr holten und damit glücklicherweise die Klasse hielten. Anstatt die richtigen Schlüsse aus dieser Saison zu ziehen und gerade die Schlussphase richtig einzuordnen, in der der SVS großteils auch vom Unvermögen der Konkurrenten profitierte, wurden die Interimstrainer zum Cheftrainerduo ernannt, und waren somit Kabacas zweiter Schuss auf der Trainerbank. Der dritte Folgte dann mit Alois Schwartz, der die Mannschaft mit 4 Punkten nach dem 7. Spieltag auf Platz 16 übernahm. Und genau da, steht die Mannschaft auch 12 Spieltage später immer noch.

Kabaca muss sich also entscheiden. Ist sein Kader gescheitert oder ist sein Trainer gescheitert. Beides spricht nicht für ihn, sondern zeigt vielmehr das Dilemma in dem sich der Sportverein aktuell befindet. Die sportlichen Geschicke werden von jemandem geleitet, der nachweislich die Ziele nicht erfüllt und den Verein auf sportlicher Ebene destabilisiert hat. Und es ist wichtig hier klar zu sagen, dass das keine Kritik am Mensch Mikayil Kabaca ist, sondern eine sehr neutrale Bewertung seiner Arbeit. Menschlich ist von vielen Wegbegleitern zu hören, dass er ein sehr freundlicher, angenehmer Mensch ist, mit dem man gern zusammen ist. Das alleine ist aber leider nicht ausschlaggebend, wenn es um die Arbeit in einer verantwortungsvollen Position geht.

Letztendlich bleibt die Frage, warum Kabaca 3 Jahre in der Verantwortung stehen kann, ohne dies mit Ergebnissen zu rechtfertigen. Wie kann es sein, dass der Verein sich seit 3 Jahren sukzessive Richtung dritte Liga bewegt und niemand die Reißleine zieht? Und damit sind wir am Ende der Nahrungskette angelangt und werfen den Blick auf Jürgen Machmeier.

Jürgen Machmeier ist hinlänglich bekannt und muss wahrlich nicht mehr vorgestellt werden. Seit 1999 ist er Präsident des Sportvereins Sandhausen und hat den sportlichen Aufstieg aus der Oberliga bis ins deutsche Unterhaus maßgeblich mitgeprägt. Finanziell hat er den Verein von Beginn unterstützt, ohne ihn zu einem Investorenprodukt verkommen zu lassen, wie es anderen Vereinen aus benachbarten Regionen ergangen ist. Er hat sich vom Bauunternehmer, der einen lokalen Fußballverein unterstützt bis in den Aufsichtsrat der DFL hochgearbeitet und dabei sicher immer die Entwicklung des SVS im Blick gehabt. Aufgrund dieser Historie gilt es behutsam und respektvoll mit der Personalie Machmeier umzugehen. Ohne ihn wäre der SV Sandhausen nicht der Verein der er heute ist und auch nicht da, wo er heute steht.

Nichtsdestotrotz muss auch hier eine objektive Bewertung des Handelns möglich sein. Mit dem Rückzug Otmar Schorks und der damit verbundenen Übernahme der sportlichen Geschäftsführung durch Jürgen Machmeier ist eine Machtfülle entstanden, die schlussendlich zu der Situation führt, in der wir uns heute befinden. Sicherlich war Jürgen Machmeier auch früher schon federführend in Entscheidungen eingebunden, musste hier jedoch mit sportlicher Kompetenz, die zumindest auf dem Papier gleichberechtigt war, in einen Diskurs gehen. Seit dem Frühjahr 2019 zeichnet sich zwar hauptsächlich Mikayil Kabaca für Transfers, Trainerentscheidungen und sonstige sportlichen Themen verantwortlich, jedoch ist es auch sicher, dass er keine dieser Entscheidungen selbstständig treffen kann. Dies ist qua seiner und Machmeiers Position innerhalb des Vereins auch gar nicht möglich. Wo andernorts auf sportlicher Ebene Menschen mit sportlicher Expertise, Erfahrung und weitreichenden Kontakten arbeiten und Entscheidungen eigenständig treffen können, sitzt beim SV Sandhausen mit Kabaca jemand auf der Position, der zuvor als Teammanager mit organisatorischen Aufgaben um das Team herum betraut war. Der wiederum arbeitet einer Geschäftsführung zu, die sicher gutes für den Verein im Sinn hat, die jedoch einen rein betriebswirtschaftlichen Background besitzt. Schlicht und einfach fehlt es dem SV Sandhausen an fußballspezifischem Fachwissen, an Erfahrung und an Kontakten im Profifußball. Die vergangenen beiden Spielzeiten konnte man noch von Überbleibseln aus der Zeit des Vorgängers zehren, jedoch rückt diese auch immer mehr in die Vergangenheit. Des Weiteren wird tatkräftig daran gearbeitet, die Mannschaft und die Strukturen komplett zu erneuern, was ebenfalls dazu führt, dass die Arbeit von Schork und auch dessen Vorgänger Gebert immer weniger Einfluss auf die Gegenwart besitzt. Nach der zweifachen Kaderumstrukturierung und dem 3-fachen Trainerwechsel, sowie der in die Zeit fallenden Abschaffung der U23, erntet man in dieser Saison das erste Mal die Früchte der Arbeit, die auf das Duo (Trio) Machmeier (Piegsa)/Kabaca zurückzuführen ist.

Zum jetzigen Zeitpunkt, im Januar 2022, gibt es nur zwei Möglichkeiten auf die schnelle auf die aktuelle Situation einzuwirken. Zum einen sind das Neuverpflichtungen auf Spielerseite, zum anderen ist es ein erneuter Trainerwechsel. Das eine der beiden oder sogar die Kombination kurzfristig zu Erfolg führen kann, möchte ich nicht ausschließen. Das die beiden Maßnahmen jedoch zum Klassenerhalt führen ist zumindest nicht realistisch, da diese Patronen in der Vergangenheit schon zu oft verschossen wurden. Auch wäre es langfristig gedacht etwas, was die Situation nicht verbessern würde. Kurzfristige Eingriffe in geplante, laufende Prozesse verhindern immer langfristiges arbeiten. Das müssten auch die BWLer in der Führungsetage des SVS wissen. Der Verein hat dieses Jahr eventuell das Glück, dass es in der zweiten Liga neben ganz vielen Schwergewichten auch noch 2 Vereine gibt, die ähnliche oder noch größere Schwierigkeiten haben, wie man selbst. Somit ist auch mit der aktuellen Mannschaft und dem Trainerteam die Möglichkeit da, die Klasse zu halten. Wichtig ist also nicht, jetzt durch eine öffentlichkeitswirksame Demission der aktuell handelnden Personen von den eigentlichen Problemen abzulenken.

Vielmehr muss gerade der Präsident an einen Punkt kommen, an dem er einsieht, dass er das was er über Jahrzehnte aufgebaut hat, vielleicht nicht mit aller Gewalt einreißt, jedoch zumindest dabei zusieht, wie es langsam zerfällt. Ein Abstieg in Liga 3 wäre schon unter normalen Bedingungen nicht gleichbedeutend mit einem direkten Wiederaufstieg. Ohne sportliche Kompetenz in der Führungsebene, ist dies jedoch schier unmöglich. Die 3. Liga hat sich seit Sandhausens letzter Teilnahme um ein Vielfaches professionalisiert und ein ganz anderes Teilnehmerfeld als noch im Jahr 2012. Ein Abstieg unter den jetzigen Bedingungen wäre wohl ein auf Jahre irreparabler Schaden. Da der sichere Klassenerhalt in Sandhausen nie der Fall ist, ist jeder Zeitpunkt der richtige, um Fehler zu korrigieren und die Weichen neu zu stellen. Jürgen Machmeier muss einsehen, dass dem Verein in der Führungsebene sportliche Kompetenz fehlt und sollte alles daransetzen, die schnellstmöglich an verantwortungsvoller Stelle zu integrieren. Für Mikayil Kabaca wäre es auch kein Gesichtsverlust, wenn er wieder ins dritte Glied rücken und einem Geschäftsführer Sport zu arbeiten müsste.

Ein weiter so kann es definitiv nicht geben. Die Realität sollte Grund genug für Jürgen Machmeier sein einzusehen, dass er vieles gut kann und auch viel Gutes für den SV Sandhausen getan hat. Die sportliche Leitung sollte er jedoch schnellstmöglich an jemand abgeben, der im Fußball eine ähnliche Expertise aufweist, wie er selbst im Baugewerbe. Die Installation eines neuen Geschäftsführers Sport, würde diesem Zeit geben, die kommende Saison bereits zweigleisig zu planen und die nötigen Gespräche mit Kandidaten für jedmögliche Position zu führen. Ob dies dann mit den aktuellen Spielern oder dem aktuellen Trainerteam geschieht, sei dahingestellt. Jedoch ist an einem Standort wie Sandhausen langfristiges, sorgfältiges und realistisches arbeiten der Grundstein, auf dem Erfolge wie der des letzten Jahrzehnts, entstehen können. Diesen Grundstein hat man sich in den vergangenen 3 Jahren selbst kaputtgemacht und muss nun objektiv genug sein um diesen Fehler wieder zu korrigieren. Und das kann hier im Hardtwald leider nur Jürgen Machmeier. Hoffen wir, dass er diese Erkenntnis schnellstmöglich auch hat oder es zumindest in seinem Umfeld einflussreiche Personen gibt, die sie ihm näherbringen können.

In der aktuellen Phase steht nicht nur die Zugehörigkeit zur zweiten Liga auf dem Spiel, sondern auch die Entwicklung des Vereins und seiner Profiabteilung in den kommenden Jahren. Viele Fans haben das erkannt, hoffentlich auch die Verantwortlichen innerhalb des Vereins.

5 Kommentare zu „#48 – Machmeier, Kabaca & co. -Handeln Sie, Jetzt!

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  1. Hallo, schöner Artikel. Gut geschrieben und Inhaltlich hervorragend . Messerscharfe Analyse der Situation. Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass Kabaca auch wirklich gute Transfers tätigt, es fehlen nur die richtigen Verbindungsspieler (schaut man mal bei Transfermarkt.de stellt man fest, das dort die hälfte unseres Mittelfeldes als Stürmer gelistet ist und die andere Hälfte als Verteidiger). Hier mangelt es eindeutig an der Sportlichen Kompetenz von Kabaca. Jedoch bin ich kein großer Freund von vorschnellen Kündigungen vielmehr solle man Kabaca einen Sportlichen Berater zur Seite stellen.
    Viele Grüße Jens

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