#47 – VDS / Karlsruher SC – SV Sandhausen

Den 20. Spieltag abschließen werden am 23.01.2022 um 13.30 Uhr die Mannschaften des Karlsruher SC und des SV Sandhausen, die sich im BBBank Wildpark gegenüberstehen werden. Der KSC steht vor der Partie mit 26 Punkten auf Tabellenplatz 10, der SV Sandhausen mit 17 Punkten auf dem Relegationsplatz.

Von einem DFB Pokalspiel im Jahre 1993 abgesehen, kam es zwischen beiden Vereinen bisher zu 13 Aufeinandertreffen, die alle in der zweiten Bundesliga stattfanden. Mit 6 Siegen bei 4 Niederlagen und 3 Unentschieden, hat der KSC hier die Nase vorne. Besonders in Karlsruhe waren dem SVS in 6 Spielen erst 4 Punkte vergönnt, wobei der letzte Sieg mehr als 5 Jahre zurückliegt.

Alois Schwartz trifft mit Christian Eichner auf seinen Vorgänger, sowie seinen Nachfolger als Trainer des Karlsruher SC. Eichner betreute die Mannschaft Interimsweise bis zur Übernahme von Schwartz im August 2018, sowie nach seiner Entlassung im Februar 2020. Seit Juli 2020 ist er auch offiziell Cheftrainer des KSC. Die Statistik der beiden gegen den jeweils anderen Verein entscheidet Christian Eichner klar für sich. Während Alois Schwartz in 9 Spielen gegen den KSC nur 9 Punkte und somit einen Schnitt von 1 Punkt pro Spiel holen konnte, erreicht Eichner einen Schnitt von 2,5 Punkten pro Spiel gegen den SVS. Eine Niederlage gegen die Kurpfälzer musste er in seiner bisherigen Trainerkarriere noch überhaupt keine einstecken.

In der Gegenwart angekommen habe ich die Platzierungen der beiden ja bereits im ersten Abschnitt genannt. Bei Spielen mit Beteiligung des SVS ist auch immer ein Blick auf die Heim – bzw. Auswärtstabelle relevant. Mit 14 Punkten holte der SVS 83% seiner Punkte in der Fremde. Der KSC hingegen, der mit 16 von 26 Punkten ca. 61% seiner Zähler zu Hause gewann, kann als Heimstark angesehen werden. Hier bleibt abzuwarten, ob die 46km Luftlinie, die zwischen den Wildpark – und dem Hardtwaldstadion liegen, ausreichen um die Auswärtsstärke zu zeigen, die schon des Öfteren gezeigt wurde.

Die ExpectedGoals Statistik spricht wie in jedem Spiel auch in diesem Spiel gegen den SV Sandhausen. Selbst bei Auswärtsspielen, wo die Truppe von Alois Schwartz regelmäßig punktet, kann nicht mit einer Flut an Toren gerechnet werden. Mit 0,78 weist der SVS weiterhin den niedrigsten xG Away Wert der Liga auf, während sie mit 2,3 xGA Away für den höchsten Wert verantwortlich zeichnen. Beim KSC hingegen neutralisieren sich die beiden Werte nahezu. Während der xG Home Wert bei 1,67 liegt, liegt der xGA Home Wert bei 1,63. Die Wahrscheinlichkeit, dass der KSC seine 2 Heimtore erzielt, ist ähnlich hoch, wie der wahrscheinliche Treffer des SVS. In Summe würde dadurch ein 2:1 Heimerfolg für den KSC stehen. Aber wie sagt man noch gleich: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Der Gegner

Den Karlsruher SC bringen uns heute Katja und Jörn näher. Die beiden sind KSC-Fans im Exil und haben mit einigen anderen Gleichgesinnten die „Reisegruppe Riesling“ gegründet, um der Auswärtsfahrt ihre Würde zurückzugeben. Gerne könnt ihr die beiden auch auf Twitter verfolgen und sehen, was sie sonst noch so tuen. Viel Spaß mit den Antworten der beiden auf meine Fragen zu Ihrem Herzensverein.

Nach 19 Spielen steckt der Karlsruher SC mit 26 Punkten im Mittelfeld der Tabelle fest. Nach unten sind es 9 Punkte nach oben 6. Mit dem Abstieg wird der KSC genauso wenig zu tun haben, wie mit dem Aufstieg. Sieht man das am Wildpark ähnlich oder bestehen noch Hoffnungen in die eine bzw. Ängste in die andere Richtung?

Ich (Jörn) haben den KSC vor Saisonbeginn auf Platz 8 getippt. Von daher sind die Jungs voll im Soll. Oder etwas ernsthafter gesprochen: Das Team ist aktuell dabei, seine gute Vorsaison zu bestätigen. Das ist sehr viel wert, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Schwergewichte in die Liga gekommen sind. Wir genießen einfach mal eine Saison, in der realistisch gesehen nichts nach oben geht, man aber auch sorglos nach unten schauen kann. Das hatten wir in den letzten 25 Jahren eher selten. Andererseits ist die Liga in der oberen Tabellenhälfte sehr unkonstant, wenn man also mal drei Spiele in Folge gewinnen würde…aber lassen wir das.

8-mal teilte sich der KSC in dieser Saison bereits die Punkte. Nur der HSV spielt öfter unentschieden. Das macht es für Außenstehende, die nicht jedes Spiel verfolgen, schwer Karlsruhe richtig einzuschätzen. Wo steht der KSC aktuell in seiner Entwicklung? Sind die Unentschieden eher Punktgewinne oder Punktverluste?

Der KSC stabilisiert sich gerade auf solidem Niveau in der 2. Bundesliga. Letzte Saison konnten wir mit unserer spielerischen Ausrichtung den einen oder anderen Gegner noch überraschen. Dass die Jungs Fußball spielen können, scheint sich allerdings herumgesprochen zu haben. Gegen eher tief stehenden Gegner braucht es nun neue Lösungen. Das gelang nicht immer. Dementsprechend ist auch das 0:0 aus dem Hinspiel so ein typisches Unentschieden dieser Saison. Bei den Unentschieden gleicht sich das über die Spielzeit gesehen meistens aus. Die Moral stimmt aber immer und das finden wir wichtig.

Die Winterpause und das damit offene Transferfenster lässt immer Raum für Spekulationen. Wie schätzt du den Kader des KSC ein für die Ziele, die sich der Verein selbst gesteckt hat? Mit Daniel O´Shaughnessy wurde ein Innenverteidiger verpflichtet, der in Darmstadt direkt über 90 Minuten ging. Sind damit die Transferaktivitäten abgeschlossen oder ist da noch mit mehr zu rechnen?

Der Transfer von Daniel O´Shaughnessy ist ein cleverer Schachzug gewesen. Es deutete sich schon im letzten Sommer an, dass wohl mindestens ein Innenverteidiger nach dieser Saison weg ist – entweder Kobald oder Bormuth. Jetzt hat man genug Zeit, Daniel zu integrieren und der Gordi, der alte Mann, bekommt seine verdienten Pausen. Prinzipiell könnte man nun auch mal die Dreierkette ausprobieren, darin ist O´Shaughnessy schon geübt. Und seine ersten Auftritte in Darmstadt und im Pokal haben definitiv Lust auf mehr gemacht. Ob jetzt noch was passiert im Winter, ist schwer zu sagen. Das wird auch von der Verletztensituation abhängen. Und wahrscheinlich dürfte das jeder Sportchef ligaweit sagen: Wichtig ist immer der Blick aufs Konto. Der Verein wird nur etwas machen, wenn es auch finanziell möglich und sinnvoll ist. Dabei hilft so ein Viertelfinaleinzug natürlich enorm.

Christian Eichner steht nun bereits in seinem dritten Jahr in der Verantwortung und hat gerade erst seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Was zeichnet ihn aus und warum passt er „wie die Faust aufs Auge“ zum Karlsruher SC?

Eiche spricht einfach unsere „Sprache“ und das im wahrsten Sinne des Wortes, man müsste also fast von „babble“ schreiben. Er kennt den KSC, hat Stallgeruch. Er weiß, wie die Leute ticken. Das ist ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor im Wildpark. Auf der anderen Seite ist er das komplette Gegenteil vom „Provinzler“. Er denkt als Trainer sehr modern, hat klare Vorstellungen und Details im Blick, die neben dem normalen Trainingsbetrieb heutzutage wichtig sind. An dieser Stelle sollte man auch Co-Trainer Zlatan Bajramovic nicht unerwähnt lassen, der mit Eiche hervorragend harmoniert. Eiche hat außerdem die eigene Jugend auf dem Zettel. Wer Leistung bringt, hat eine echte Chance in der Mannschaft. Bestes Beispiel ist Tim Breithaupt, der sich mittlerweile festgespielt hat. Und Eiche macht das nicht zuletzt medial sehr gut. Die Pressekonferenzen sind sehr erfrischend und wenn was nicht läuft, übt er konstruktive Kritik. Ein sehr gutes Gesamtpaket also!

Welche Startelf wird Christian Eichner am Sonntag gegen den SV Sandhausen auf den Platz schicken? Wer aus dem Kader steht nicht zur Verfügung und fehlt der Mannschaft am Wochenende?

Etwas sarkastisch könnte man sagen: Die Jungs, die ihm noch zur Verfügung stehen. Ein Faktor, dass es diese Saison nicht zu „mehr“ reicht, ist sicherlich die lange Verletztenliste: Sebastian Jung, Kyoungrok Choi, Leon Jensen, Robin Bormuth, Malik Batmaz fallen noch länger aus. Das sind fünf Spieler, die definitiv im Kader bzw. in der Startelf stehen würden. Auch deshalb hat zum Beispiel der erst 16-jährige Efe-Kaan Sihlaroglu schon sein Profidebüt feiern dürfen. Was sich bei der Startelf in den letzten Wochen etwas abgezeichnet hat: Fabian Schleusener kommt immer besser in Tritt und so agieren wir aktuell mit einer Doppelspitze. Außerdem gab es im Umfeld der Mannschaft Corona-Fälle. Deshalb wird heute (Donnerstag) das Training vorsichtshalber ausgesetzt.

Seit Beginn der aktuellen Saison spielt der KSC nach dem Umbau des alten Wildparks im neuen Stadion mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Namen BBBank-Wildpark. Als jemand, der zu Zweitligazeiten in den späten 90ern und frühen 2000ern gerne Freitagsabends im A1 stand, stellt sich die Frage, ob der Charme des alten Wildparks in die neue Arena gerettet werden konnte? Wie kommt der Neubau bei den Fans des KSC an?

Natürlich ist der Abschied vom alten Wildpark schwergefallen, eben wegen seines besonderen Charmes und den vielen Erinnerungen und Geschichten, die wahrscheinlich jeder mit dem alten Wildpark verbindet. Der verrostete Zaun, die staubigen Stufen waren letzte nostalgische Symbole gegen die Entwicklungen des modernen Fußballs, denen man sich leider nicht völlig verschließen kann. Realistisch betrachtet war ein Neubau aber unverzichtbar und längst überfällig. Fangruppen wurden in die Planung mit einbezogen, wenn auch nicht alles umzusetzen war. Die Architektur ist nicht ganz so 0815, der Standort blieb erhalten und der Name im Prinzip auch. Es gibt zwar einen Sponsorenzusatz, aber ganz ehrlich: Für uns bleibt es immer der Wildpark, in dem wir „auf den KSC“ gehen. Die wenigen Spiele, die bisher mit reduzierter Zuschauerzahl stattgefunden haben, lassen erahnen, was da von der Atmosphäre her entstehen kann.

Welchen Einfluss hat das Pokalspiel gegen die Münchner Löwen auf das Aufeinandertreffen mit dem SV Sandhausen und wie geht das Spiel am Wochenende aus?         

Die Sache war zum Glück in 90 Minuten erledigt. Man muss das Spiel schnell aus den Köpfen und Beinen bekommen. Dabei hilft, dass es ein Arbeitssieg war und kein Glanz und Gloria Triumph gegen einen Champions League Teilnehmer oder so. Apropos Arbeitssieg: Das wird es auch am Wochenende werden. 2:1 für den KSC.

Der SVS

Wie lief das letzte Spiel und welchen Einfluss hat das auf das Spiel gegen Regensburg?

Das Spiel zu Hause gegen Regensburg lief katastrophal und hat hoffentlich überhaupt keinen Einfluss auf das Spiel gegen den KSC, sondern wurde schnellstmöglich aus den Köpfen der Spieler gelöscht. Nähere Beschreibungen dieses Desasters findet man im Nachbericht zum Spiel hier auf dem Blog.

Für das Spiel im Wildpark ist zu hoffen, dass niemand auch nur annähernd an seine Leistung gegen Regensburg anknüpfen wird. Ob die Erkenntnisse, die aus dem Heimspiel gezogen werden könnten, auch vom Trainerteam so gesehen und verarbeitet wurden, wird man am Sonntag sehen. Neben qualitativen Problemen auf einigen Positionen haben die meisten der auf dem Platz stehenden Spieler auch große Defizite bei den weichen Faktoren wie Engagement, Einstellung, Kampfgeist, Bereitschaft usw. offenbart. Alle austauschen ist aufgrund der Kaderstruktur nicht möglich, jedoch kann es doch als Zeichen dienen, als Trainer jetzt mit einer größeren Veränderung der Startelf für die nötige Aufmerksamkeit beim spielenden Personal zu sorgen. Mehr hierzu und meine Idee für Karlsruhe dann im nächsten Punkt.

Tabellarisch hätte man mit einem Erfolg gegen Regensburg natürlich einen Schritt in die richtige Richtung machen können, jedoch ist auch nicht sonderlich viel passiert. Nur Hannover konnte aus der unteren Tabellenhälfte 3-fach punkten. Aue, Kiel und Dresden konnten alle einen Punkt gegen favorisierte Teams einfahren, wohingegen Ingolstadt, Rostock und Düsseldorf ebenfalls Niederlagen hinnehmen mussten. Dementsprechend ist weiterhin alles möglich und alle Konkurrenten noch in Schlagdistanz. Nichtsdestotrotz nimmt die Anzahl der noch zu spielenden Spiele und damit auch die Anzahl der noch zu vergebenden Punkte kontinuierlich ab und allzu lange sollte man sich nicht mehr Zeit lassen, um den Modus Abstiegskampf zu aktivieren und diesen auch anzunehmen.

Wie könnte die Mannschaft auflaufen?

Neben den Langzeitverletzten Julius Biada, Rick Wulle und Tim Kister fällt auch der Kapitän gegen den Karlsruher SC aus. Nach seiner Gelben Karte gegen Regensburg in der letzten Spielminute sitzt Dennis Diekmeier diese Woche seine erste Gelbsperre dieser Saison ab. Bis auf die 4 genannten steht Alois Schwartz der komplette Kader zur Verfügung.

Der KSC wird sein offensives 4-3-3 nicht auf den SVS abstimmen, sondern an ihrer taktischen Grundordnung festhalten. Somit würde es für die Kurpfälzer Sinn ergeben, wenn sie die Mitte stabilisieren und somit den Raum für den KSC eng machen und auf die Außen drängen würden. Hierzu würde sich ein Wechsel der Grundformation auf ein 3- 5 -2 anbieten, was auch mehr Möglichkeiten nach vorne bieten würde.

Im Vergleich zur Vorwoche würde ich Diakhite für Diekmeier, Dumic für Zhirov, Sicker für Okoroji und Soukou für Ritzmaier 4 nominelle Änderungen an der Startelf vornehmen. Die Abwehr würden dann Dumic, Höhn und Diakhite bilden, die in der Rückwärtsbewegung von Sicker auf Links und Ajdini auf rechts flankiert würden. Gerade gegen Hofmann im Sturmzentrum kann die Körperlichkeit, die vor allem Diakhite und Dumic mitbringen ein Pluspunkt sein.

Im Mittelfeld bleiben Zenga und Seufert bestehen. Beide haben gegen Regensburg zumindest kämpferisch versucht auch nach dem frühen Rückstand dranzubleiben. Zenga ist in den letzten Spielen sowieso jemand, der konstant Leistung bringt und dem man im Duo mit Seufert auf jeden Fall noch etwas mehr Zeit geben sollte.

Hinter den Spitzen würde Kutucu wieder die Chance von Beginn an bekommen. Schon gegen Regensburg war er ein Aktivposten, dessen Auswechslung da schon Unverständnis bei den Zuschauern hervorrief. Im Wechselspiel mit Soukou könnte er um Testroet herumspielen und als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive agieren.

Die auf die Bank rotierenden Spieler sind natürlich nicht auf ewig verdammt, jedoch hat sich keiner dieser wirklich aufgedrängt nicht als Wechselkandidat zu gelten. Verstehen sie die Maßnahme als Schuss vor den Bug, könnte das auch zu einer Leistungssteigerung führen, die dem ganzen Team helfen kann. Auch sind sie natürlich gute Optionen um auf bestimmte Spielsituationen reagieren zu können und neue Impulse zu setzen.

Jedes Spiel ist wichtig, klar. Aber wie ist das kommende Spiel einzuordnen? Wo geht die Reise hin, welche Gefahren, aber auch Möglichkeiten bietet das Aufeinandertreffen mit dem Karlsruher SC?

Unabhängig vom letzten Spiel und im Kontext des Spielplans gesehen, ist es wie vergangene Woche auch schon ein Bonusspiel für den SVS. Punkte kann man grundsätzlich gegen einen Gegner wie den KSC nicht sicher einplanen. Möglich ist natürlich alles, gerade wenn man die Inkonstanz in den Leistungen des Karlsruher SC betrachtet, ist auch im Wildpark was drin. Jedoch kann es auch gut sein, dass man am Sonntag unter die Räder kommt. Und dass, obwohl man selbst gar nicht schlecht spielt.

Brisanz aufgrund der Tatsache das beide Vereine im gleichen Bundesland beheimatet sind und die Stadien wie bereits beschrieben nur knappe 50km entfernt voneinander liegen, ist auch mehr konstruiert wie vorhanden. Ein Derby ist es bei aller Liebe tatsächlich nur aufgrund der räumlichen Nähe und sicher nicht wegen der brisanten Historie. Sicher gibt es ZuschauerInnen die Fans vom Gegner kennen, jedoch sehe ich hier keine Rivalität, die über das normale sportliche Maß hinausgeht.

Blendet man die beschriebenen Aspekte aus, bleibt noch der düstere Eindruck vom vergangenen Wochenende. Für das Binnenverhältnis zwischen Fans und Verein, insbesondere der Mannschaft, wäre ein Leistung, die dem Abstiegskampf zumindest würdig ist enorm wichtig. Das Ergebnis ist hier eher zweitrangig, vielmehr geht es darum, den AnhängerInnen zu zeigen, dass der Eindruck, dass der Mannschaft der Ausgang der Saison komplett wumpe ist, ein falscher war. Genau diesen hat die Truppe nämlich zu großen Teilen am Sonntag vermittelt. Mit einer entsprechenden Leistung am kommenden Sonntag könnte man die Last vom Regensburg-Spiel abschütteln und sich zumindest wieder Selbstvertrauen holen, welches in den darauffolgenden Spielen gegen Aue und Ingolstadt genauso überlebenswichtig sein wird wie die Spiele selbst.

Dementsprechend wird am Sonntag noch nichts passieren, was nicht mehr zu reparieren ist, jedoch könnten Weichen gestellt werden, die für den Rest der Rückserie entscheidend sein können. Abschenken und sich voll auf die kommenden Abstiegsduelle zu konzentrieren ist also sicher nicht die Lösung. Vielmehr kann das Spiel vom Trainerteam auch genutzt werden, um Impulse zu setzen und auch Dinge auszuprobieren. Gegen Aue und Ingolstadt ist dafür der falsche Zeitpunkt, in einem Bonus Spiel kann ich aber nur gewinnen. Hier wäre aber Mut gefragt. Manchmal entwickeln Personen, die mit dem Rücken zur Wand stehen ja solchen. Und auch wenn die Schulterblätter des SVS noch nicht komplett am Beton kleben, fehlen nur noch ein paar Zentimeter und somit wäre vielleicht jetzt der Zeitpunkt um tatsächlich verlorene gemeinte Tugenden wiederzuentdecken.

Was beschäftigt den geneigten SVS Anhänger sonst noch so?

Direkt nach dem Spiel wurden schon auf der Tribüne die Stimmen lauter, die gegen Alois Schwartz gingen. Diese, sowie die Schmähungen gegen einzelne Spieler und die Mannschaft im Ganzen, wurden auch negativ von Schwartz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel erwähnt. Dies geschah jedoch nicht durch eigene Intention, sondern auf Nachfrage der Presse. Das hier dann die Tonalität bemängelt wurde, ist selbstverständlich. Die Art und Weise, sowie die Wortwahl war teilweise komplett daneben, dass sehe ich auch so. Jedoch waren es tatsächlich wenige einzelne, die sich komplett im Ton vergriffen und gerne von den Umstehenden hätten zurechtgewiesen werden können. Aus C5 war nicht zu erkennen, wer genau da so reinbrüllte, sondern nur, dass es nicht die Masse war, die weiter vorne ihre Kinderstube vergaß. Nach dem Spiel zeigte sich beim Field-Interview von Diekmeier auch einer, der seiner Unzufriedenheit Luft machte und wild brüllend am Zaun stand. Die Ordner beobachteten die Szenerie kurz und als er nach einem ersten Rausch abließ und von dannen zog, war auch das erledigt. Es war jedoch spürbar, dass die Strapazierfähigkeit der Zuschauer auch immer mehr nachlässt. Ein Grund hierfür ist definitiv die Einstellung und die Körpersprache mit der einige Spieler beim Aufwärmen, während dem Spiel und nach Abpfiff auftreten. Das Gefühl, dass ihnen der Verein und das was mit ihm passieren könnte egal ist, wird von Spiel zu Spiel stärker. Eine gefährliche Situation, da gerade im Abstiegskampf ein Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft extrem wichtig ist.

Die Stimmen, die Alois Schwartz lieber gestern als heute vom Hof jagen wurden, sind jedoch auch während der Woche nicht abgeklungen. Hatte er vor der Winterpause schon damit zu kämpfen, fällt es seinen Verteidigern aktuell immer schwerer die Argumente der Gegenseite zu entkräften. Ihm wird vorgeworfen die Defensive eben nicht stabilisiert zu haben, sondern im Gegenteil für teils sehr hohe Niederlagen verantwortlich zu sein. Auch die Ideenlosigkeit in der Offensive, die weiterhin anhält, wird ihm zu Lasten gelegt. Die Argumentation ist zu Teilen auch nachzuvollziehen, fasst meiner Meinung nach aber viel zu kurz. Sicher ist die Leistung gegen Regensburg ein krasser Rückfall in den November des vergangenen Jahres, der sehr grau und ergebnistechnisch Trist daherkam. Jedoch kann man Schwartz nicht für alles verantwortlich machen und vor allem nicht für individuelle Fehler in der Defensive und kollektives Versagen in den Bereichen Einsatz und Engagement. Vorzuwerfen ist ihm in diesem Bereich einzig, dass er lange und teilweise auch immer noch an vereinzelten Spielern festhält und anscheinend mehr in ihnen sieht als die gemeinen ZuschauerInnen im Stadion.

Ein erneuter Wechsel würde zwar in die Historie der vergangenen Jahre passen, jedoch werden die Verantwortlichen diese Reißleine zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ziehen. Schwartz bekommt meiner Meinung nach auf jeden Fall noch die Spiele gegen den KSC und zu Hause gegen Aue. Sollten die Leistungen sich bis dahin nicht komplett anders zeigen als am Wochenende wird es schwer, an einem Trainerwechsel vorbeizugehen, da es die letzte Patrone ist, die den Verantwortlichen bleibt.

Ich persönlich würde mit Schwartz die Saison auf jeden Fall beenden, da ich mir sicher bin, dass das Problem im Falle des Sportvereins nicht der Trainer, sondern die Zusammenstellung der Charaktere innerhalb der Mannschaft ist. Kein Trainer der Welt würde meiner Meinung nach mehr Leistung aus den einzelnen Akteuren kitzeln können, da diese kein grundsätzliches Qualitätsproblem, sondern eher ein Einstellungsproblem haben. Schafft die Mannschaft nicht gemeinsam mit Schwartz den Turn-Around, schafft sie ihn wohl diese Saison gar nicht mehr. Dann wird es aufgrund des Abstieges auf der Trainerposition, sowie im Kader im Sommer zu einem großen Selbstreinigungsprozess kommen, da viele der Akteure sich sicher nicht in Liga 3 sehen.

Die Diskussion über die Hauptverantwortlichen der aktuellen Misere hält natürlich auch unter den Fans an und mittlerweile, gibt es fast niemanden mehr, der das grundsätzliche Problem nicht eine Etage höher sieht. Die Verantwortung über die Zusammenstellung liegt definitiv Mikayil Kabaca. Die Bewertung dessen Arbeit liegt wiederum in der Verantwortung von Jürgen Machmeier. Hierzu wird weiterhin lebhaft diskutiert, jedoch ändern sich die Parameter der Diskussion leider nicht. Hier wird wohl in naher Zukunft ein gesonderter Blogpost nötig sein, um die einzelnen Teile dieser Seilschaft und die damit verbundenen Konsequenzen näher beleuchten zu können.

Spieltagstipp

Karlsruher SC – SV Sandhausen 1:1

Wie beschrieben ist es ein Bonusspiel und warum soll man dann nicht zumindest die Hoffnung haben, dass man einen Punkt aus Karlsruhe entführen kann? Mehr als 1 Treffer trau ich der Mannschaft tatsächlich nicht zu und hinten hoff ich auf etwas Stabilität, Drewes und natürlich ganz viel Glück. Und dann wär ein 1:1 doch ein schönes Ergebnis.

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