#37 – NDS / SV Sandhausen – SC Paderborn 07 1:1

Vor coronabedingt nur 680 Zuschauern zum Abschluss des Heimspieljahres 2021 erkämpfte sich der SV Sandhausen ein 1:1 gegen den SC Paderborn. Den frühen Führungstreffer der Paderborner durch Marvin Mehlem (5.) glich Bashkim Ajdini (92.) kurz vor Ende der Partie aus.

Für den SVS, der auf Tabellenplatz 17. bleibt, war es ein wichtiger Punkt im Abstiegskampf der ihn näher an die Konkurrenz gebracht hat. Für den SC Paderborn hingegen könnten es am Ende des Spieltages zwei verlorene Punkte sein, die sie etwas vom den Aufstiegsplätzen distanziert haben.

1 x 45 – 1 Halbzeit

Die wenigen leidensfähigen Zuschauer, die trotz der Witterung und gesetzlichen Vorgaben gestern den Hardtwald aufgesucht hatten, hatten ihre ungewohnten Sitzplätze auf der INWO Tribüne noch nicht ganz eingenommen, gab es schon den ersten Dämpfer für die spärlichen Erwartungen.

Der SC Paderborn kombinierte sich ohne Gegenwehr auf der linken Seite in den Strafraum, indem letztendlich Mehlem Diekmeier in einer Grätsche über gefühlt 20 Meter alt aussehen lies und abgeklärt zum 0:1 abschloss.

Und damit ist eigentlich auch schon fast alles erzählt zur ersten Halbzeit. Klar, man kann noch den kläglich verschossenen Elfmeter von Testroet anführen in der 17. Minute. Der reiht sich jedoch ein, in eine Vielzahl von Situationen in denen der SVS Torjäger gestern neben sich stand und die falsche Entscheidung traf. Für Testroet war es ein schwarzer Tag und der Elfmeter war nur eine der Situationen in denen das deutlich wurde.

Viel passierte in Halbzeit 1 nicht mehr. Der SC Paderborn stellte nach dem 0:1 so ziemlich alle fußballerischen Bemühungen ein und verwaltete die Führung mit so wenig Engagement wie nur nötig war und der SVS machte erschreckend deutlich, dass er nicht zu mehr in der Lage war. In der Vorwärtsbewegung gingen die Ideen nicht darüber hinaus lange Bälle auf Testroet zu spielen die entweder direkt wegverteidigt wurden oder, im Falle eines festmachens durch den Stürmer in der zweiten Aktion verloren gingen, weil niemand nachrückte und für Unterstützung sorgte.

Die wenigen offensiven Aktionen, die Paderborn noch fuhr, liefen fast ausschließlich über die linke Abwehrseite des SVS. Gerade in der ersten Hälfte wurde wiedermal deutlich, dass die linke Defensive die große Schwachstelle darstellt. Auch der Verletzungsbediengte Wechsel von Sicker für Okoroji sorgte nicht für mehr Sicherheit. Beide linken Verteidiger waren gestern wieder mal weit davon entfernt, Zweitliganiveau nachzuweisen.

2 x 45 – 2 Halbzeit

Auch in der zweiten Halbzeit konnte Sicker sein Zeugnis nicht weiter aufbessern. Fairerweise muss man sagen, dass er defensiv kaum Fehler machte (was an der kompletten Aufgabe jeglicher Bemühungen auf Seiten des SCP zurückzuführen ist), jedoch auch in der Offensive wenig bis gar keine Akzente setzte.

Mit Wiederanpfiff der zweiten Hälfte versuchte Schwartz durch die hereinnahme von Esswein nochmal neue Impulse zu setzen, was jedoch keine Wirkung zeigte. Der SVS erarbeitete sich zwar mehr Ballbesitz und ein optisches Übergewicht, jedoch waren Chancen weiterhin Mangelware. Positiv aufgefallen ist einzig die Freistoßvariante in der 52. Minute an deren Ende Zhirov per Kopfball knapp scheitert. Sollte das einstudiert gewesen sein, sollte das noch positiver bewertet werden. Im Abstiegskampf können gut ausgeführte Standardsituationen entscheidend sein. Leider war dies jedoch auch die einzige, aus der wirklich Gefahr entstand.

Ansonsten muss man der Mannschaft leider attestieren, dass sie einem nie das Gefühl gegeben hat, dass an diesem Nachmittag noch was drin gewesen wäre. Aufgegeben hat sie sich bei weitem nicht, aber spielerisch war das einfach viel zu wenig. Auch kämpferisch hatte man bei vielen den Eindruck, dass der Wille den letzten Schritt konsequent zu gehen nicht komplett da war.

Absolutes Gegenbeispiel zu der These war wieder mal Bashkim Ajdini, der kämpfte und rannte als ging es um sein Leben. Umso schöner war es, dass er es war, der in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer erzielen konnte. Ob dieser verdient war, ist diskutabel. Paderborn hätte Minuten zuvor 2x den Sack durch Kontersituationen zu machen können, vergab jedoch kläglich. Und da die Gäste in der zweiten Halbzeit bis auf diese Aktionen auch kaum am Spiel teilnahmen, empfand ich es letztendlich schon als verdient. Hat Pascal Testroet nicht den Tag den er gestern hatte, gewinnt der SVS das Spiel am Ende vielleicht sogar noch. Von daher sollten beide Vereine mit der Punkteteilung zufrieden sein.

Positiv waren sicher die Einwechselungen von Gianluca Gaudino und Daniel Keita-Ruel gegen Ende des Spiels, da die beiden den doch sehr limitierten Kader um fehlende Facetten bereichern können, sollten sie in Form kommen.

Fazit

Verliert der SVS dieses Spiel mit 0:1 oder kassiert am Ende durch den Konter sogar noch das 0:2, fällt das Fazit hier komplett anders aus.

Spielerisch war das gestern wieder nahe an einer Bankrotterklärung. Nach dem 0:1 nahm Paderborn kaum noch am Spiel teil, was dazu führte das der SVS fast dazu gezwungen war das Spiel zu machen. Und hier wird’s dann eben knifflig. Die Unlösbarkeit dieser Aufgabe war gestern nicht zu übersehen. Was das Offensivspiel angeht, war das die schlechteste Leistung der letzten Monate. In keinem der vergangenen Spiele, hat die Mannschaft so wenige Aktionen ausgespielt wie gestern. Vielleicht läuft es anders wenn in der 17. Minute der Ausgleich fällt. Aber die Ideenlosigkeit die in den folgenden 70. Minuten offensichtlich wurde, war erschreckend. Das Mittel der Wahl waren in 95% der Fälle lange Bälle auf Testroet, der zwar einige davon festmachen, jedoch aus keiner Aktion mehr machen konnte. Das wird gegen kein Team der Liga reichen, zumal Paderborn gestern gar nichts wollte vom SVS und es in dieser Saison selten einfacher gewesen wäre, drei Punkte am Hardtwald zu behalten.

Auch die Schwachstelle Linksverteidiger hat sich wie oben beschrieben wieder deutlich gezeigt. Weder Okoroji, noch Sicker bringen das Niveau auf den Platz, dass im Abstiegskampf benötigt wird. Immer wieder wird der SVS über die linke Seite überspielt und kassiert Gegentreffer. So auch gestern. Hier gilt es jetzt irgendwie durch die kommenden zwei Spiele zu kommen und dann im Winter nachzubessern. Das Leistungsgefälle im Vergleich zur Innen – bzw. Rechtsverteidigung ist zu groß. Ich möchte nicht den Stab über Okoroji oder Sicker brechen, jedoch glaube ich das sie dem Abstiegskampf nicht gewachsen sind und es ihnen gut täte, hinter einem gestanden Spieler wie Diekmeier auf links zu lernen.

Die Innenverteidigung wurde gerade angesprochen und baut mir somit die Brücke zu den positiven Aspekten des Spiels. Im Vergleich zu den vergangenen Spielen wurden relativ wenig Chancen des Gegners zugelassen und gerade Höhn hat bewiesen, dass er das Zeug zum neuen Abwehrchef hat. Wie er gerade in der zweiten Halbzeit die wenigen Bemühungen der Paderborner leidenschaftlich, aber auch konsequent unterbunden hat, war etwas, dass man sich für die kommenden Spiele bewahren muss.

Auch die Tatsache, dass man gegen dem Tabellenvierten, der auswärts erst zwei mal überhaupt Punkte liegen lies, ein Unentschieden abbringen konnte, ist etwas das vor dem Spiel viele wohl direkt unterschrieben hätten. Auch das es keinen Einbruch im letzten Drittel gab, sondern die Mannschaft in den letzten Minuten sogar nochmal aufdrehte ist ein Fortschritt im Vergleich zu den Wochen zuvor.

Durch das Aufbäumen, muss man für das Spiel fast schon ein positives Fazit ziehen. Nach Abschluss des Spieltages war der Punkt leider nicht ganz so viel wert wie erhofft, da vor allem Dresden und Hannover dreifach punkten konnten. Jedoch konnte man sich weiter von Ingolstadt distanzieren und zumindest einen Punkt auf Aue aufholen. Und vielleicht nimmt die Mannschaft diesen Last-Minute-Treffer und die damit verbundenen Emotionen mit nach Kiel nächste Woche, knüpft defensiv an die Leistung über große Strecken des Spiels an und findet Optionen im Spiel nach vorne. In Kiel und Düsseldorf sollte nämlich endlich gepunktet werden, will man vor Weihnachten nicht schon komplett den Anschluss verlieren.

Und sonst so?

Die Sicht von der INWO Tribüne ist nicht die schlechteste muss ich nach meinem ersten Spiel dort konstatieren. Der Überblick eröffnet ganz andere Sichtweisen auf das Spiel und für die nächste Saison werd ich definitiv einen Seitenwechsel anpeilen, was meinen Stammplatz betrifft.

Ansonsten war das ein ganz seltsames Ereignis am Samstag. Auf den Sandhäuser Höfen standen ganze 5 Autos und den Weg zum Stadion haben wir komplett alleine zurück gelegt. Das dann tatsächlich nur 2 Eingänge geöffnet waren, wir trotz der geringen Zuschauerzahl 15 Minuten am Einlass anstanden und dann am Kiosk auch noch die Kartenzahlung streikte, war irgendwie wieder typisch SVS.

Nichtsdestotrotz war die Stimmung erstaunlich in Ordnung für 680 Zuschauer. Klar, es war kein Support wie man ihn aus Profistadien gewohnt ist, sondern eher Bezirksliga-Atmosphäre, aber mir hat das Spaß gemacht.

Die Situation auf der Tribüne war voll in Ordnung und jeder konnte sich seine Abstände selbst aussuchen. Auch die Maskenpflicht wurde zum großen Teil eingehalten, was vereinzelt immer wieder vom Sicherheitspersonal eingefordert wurde und somit jedem der Anwesenden ein gutes Gefühl gab würde ich behaupten. Hier muss man dem Verein auch mal ein Lob aussprechen. Aus den gegebenen Umständen hat er dann doch noch das beste rausgeholt.

Schade eigentlich nur, dass Leute wie Kwasniok, die als Trainer eine Vorbildfunktion haben, dann mit so schlechtem Beispiel vorangehen. Hier ist es tatsächlich auch erstaunlich, dass der 4. offizielle es nicht einmal für nötig hielt, den Gästetrainer an seine Pflicht zum tragen der Maske zu erinnern. Soll der Mann machen was er für richtig hält, aber halte dich doch einfach an die dir vorgeschriebenen Regeln. So konterkarierst du halt das komplette Hygienekonzept der DFL und gibst jedem Kritiker neues Futter. Aber gut, im Anschluss ans Spiel steht er halt bei Sky am Mikro und es juckt auch niemanden. Muss man wohl akzeptieren.

Alles in allem war ich trotzdem froh, dass ich die Option gezogen habe und vor Ort war am Samstag. Das nicht das volle Kontingent von 750 Tickets abgenommen wurde, hat mich trotzallem ziemlich erstaunt. Ich bin sehr gespannt, wie es im Januar sein wird, wenn zum Start Regensburg im Hardtwald gastiert. Ich persönlich werde auf jeden Fall wieder versuchen, an Tickets zu kommen, sollte die aktuelle Regelung bestand haben. Ich hab gefallen an der INWO gefunden.

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