#35 – NDS / FC Schalke 04 – SV Sandhausen 5:2

Kurz und knapp

Vor 46300 Zuschauern konnte der FC Schalke 04 seine anfänglichen Ladehemmungen in der zweiten Halbzeit in einen 5:2 Erfolg gegen den SV Sandhausen ummünzen. Ritzmaier (47.) brachte den Gast kurz nach der Pause in Führung, ehe Ouwejan (58.) und Bülter (64.) das Spiel zu Gunsten der Knappen drehen konnten. Ein Eigentor von Zhirov (71.), abermals Bülter (76.) sowie Zalazar (82.) bei einem Gegentreffer von Testroet (74.) sorgten für den Endstand.

Schalke hält somit mit 26 Punkten den Kontakt zur Spitzengruppe um Darmstadt, St. Pauli und Regensburg und setzt sich immer mehr im oberen Drittel der Tabelle fest. Der SV Sandhausen stagniert mit 12 Punkten weiterhin auf Tabellenplatz 17. Einzig Kiel konnte an diesem Spieltag aus dem Konkurrentenkreis punkten, was dazu führt, dass der Abstand zu den Nichtabstiegsrängen sich nicht vergrößerte.

1 x 45 – 1 Halbzeit

Das Spiel begann wie erwartet und Schalke übernahm sofort das Heft des Handelns. Steht es wie schon gegen St. Pauli bereits nach 15. Minuten 2:0 für die Gastgeber, kann sich hier niemand beschweren. Gerade die Frankfurter Leihgabe Zalazar machte auf Schalker Seite ein fantastisches Spiel, war an fast jeder Offensivaktion beteiligt und von der Sandhäuser Verteidigung kaum zu kontrollieren.

Der SV Sandhausen fand in dieser Anfangsphase überhaupt keinen Zugriff aufs Spiel und konnte nie für wirkliche Entlastung sorgen. Kam der Ball mal über die Mittellinie war er in Sekunden wieder weg. Bezeichnend für mich in dieser Phase waren Alibi-Aktionen wie die eingeflogene Grätsche von Ritzmaier vor Thiaws Lattenkracher, dessen Körpertäuschung vom Sofa aus schon Minuten vorher zu erkennen war.

Nach 20 Minuten konnte der SVS durch einen Flankenlauf von Diekmeier ein erstes offensives Lebenszeichen abgeben und sich im Anschluss auch immer wieder mal etwas mehr Luft verschaffen, was sich vermehrt in zarten Offensivbemühungen ausdrückte. Schließt Soukou in einer der Aktionen ruhiger ab, hätte man den Spielverlauf zu diesem Zeitpunkt schon auf den Kopf stellen können. Jedoch schafften es die Sandhäuser nicht ihre wenigen Umschaltmomente in etwa zählbares zu verwandeln.

Gegen Ende der ersten Halbzeit musste man anerkennen, dass der SVS es geschafft hatte, sich aus der permanenten Umklammerung der Schalker zu lösen, die zwar weiterhin Chancen kreieren konnten, ihre Überlegenheit aber nicht mehr so dominant ausspielten wie zu Beginn der Partie.

2 x 45 – 2 Halbzeit

Was Soukou in der ersten Halbzeit nicht in letzter Konsequenz schaffte, konnte er in Zusammenarbeit mit Ritzmaier zu Beginn des zweiten Durchgangs umsetzen: den Spielverlauf komplett auf den Kopf stellen. Durch einen super Konter, den der Österreicher dann abschloss ging der SVS in Führung und es keimte mal wieder dieses zarte Pflänzchen namens Hoffnung auf.

Jedoch fingen sich die Schalker im Anschluss daran relativ schnell und trampelten, um in der Metapher zu bleiben, relativ schnell und unangenehm nah an unserer frischgepflanzten Hoffnung herum. Angestachelt und aufgeweckt durch den überraschenden Führungstreffer gingen die Knappen nun konsequenter mit ihren weiter vorhanden Torchancen um, stellten schnell auf 2:1 und machten der kleinen Hoffnungspflanze somit schnell den Gar aus.

Auf Sandhäuser Seite ist zu diesem Zeitpunkt erwähnenswert, dass Alois Schwartz wohl gefallen an Auswechslungen und Impulsen von außen gefunden hat, da er nach dem Rückstand mit Conteh für Bachmann einen weiteren offensiven Spieler einwechselte. Ein klares Zeichen, dass man heute nicht zufrieden damit ist, hier nur Punktelieferant zu sein.

Im Anschluss folgten dann die 5 Minuten des Wahnsinns, wie es der Kicker nannte, in denen jeder Schuss der auf ein Tor abgegeben wurde auch seinen Weg ins Netz fand und an deren Ende es 4:2 für die Knappen stand.

Danach war die Luft raus aus der Partie und es war mit Rodrigo Zalazar dem Mann des Spiels überlassen, den Schlusspunkt zum 5:2 zu setzen, ehe diese verrückte zweite Halbzeit austrudelte.

1 x 90 – Fazit

Was bleibt von diesem Spiel?

5 Tore klingen wieder mal verheerend, aber letztendlich bleibt dem SV Sandhausen nichts anderes übrig als anzuerkennen, dass Schalke 04 heute einfach die bessere Mannschaft war.

Anders als andere Beobachter habe ich in der Verteidigung keine haarsträubenden Fehler gesehen, sondern einen Gegner der die Kurpfälzer aufgrund seiner höheren Qualität dominiert hat und sich das schlussendlich auch im Ergebnis widerspiegelt. Spielen Mannschaften wie St. Pauli, Darmstadt oder eben auch Schalke 04 ihr komplettes Potenzial aus, reicht die Qualität im Kader des SV Sandhausen in 9 von 10 spielen nicht aus, um Punkte zu holen. Eine Erkenntnis die weh tut, aber leider Fakt ist.

Ähnlich ernüchternd ist auch die Erkenntnis, dass die Hoffnungen, die in Christian Conteh gesetzt wurden, bislang leider enttäuscht wurden. Was sich nach seiner Chance auf St. Pauli abzeichnete, nahm auf Schalke seinen Lauf. So war er gestern nach seiner Einwechselung überhaupt kein Faktor im Spiel des SVS. Und das ist leider ein Eindruck der sich immer mehr festigt.

Die linke Seite scheint gerade defensiv, ein immer offensichtlicher Schwachpunkt der Mannschaft zu werden. Okoroji schafft es auf seiner Flanke mit wechselnden Partner leider selten die Stabilität zu erreichen, die auf der rechten Seite zumindest zeitweise durch Diekmeier und Ajdini erreicht werden.

Mein Ansatz besteht ja darin, immer das positive zu sehen, da alles andere früher oder später in einer Depression endet. Also probieren wir es.

2 Tore auswärts auf Schalke. Muss man erstmal hinbekommen. Reicht an anderen Tagen auch für 1-3 Punkte. Heute jedoch leider nicht. Sich nach einem 2:1 aber nicht einzuigeln und zu versuchen weiter den eigenen Möglichkeiten entsprechend nach vorne zu spielen, spricht zumindest zu teilen für das Trainerteam und seine grundsätzliche Einstellung sowie das Verständnis von Fußball. Auch mit dem 3:2 nochmal kurzfristig Aktien im Spiel zu halten, spricht gegen die Charakterlosigkeit, die dem Team von Teilen der Anhänger zugesprochen wird.

Auf Einzelspieler geschaut muss man konstatieren, dass nur wenige Werbung in eigener Sache machen konnten. Möchte man jemanden herausheben, kann man Chebio Soukou nennen. Defensiv habe ich eben ja schon angesprochen, aber offensiv war das eine Steigerung zu Alexander Esswein in den letzten Spielen. Gegen Teams mit weniger Qualität im Kader könnte Soukou noch ein Faktor für das Team von Alois Schwartz werden.

Und sonst so?

Was mir bei dem Spiel, aber schon bei anderen Spielen des SVS aufgefallen ist, ist die Unwissenheit der Sky Moderatoren. In der Berichterstattung über die Kurpfälzer gibt es kaum Journalisten die über die Phrasen und Legenden des familiären Dorfvereins hinausgehen. Es gibt keine wirklichen Informationen zum Geschehen rund um den Verein. Die Informationen die geteilt werden, gehen nur in den seltensten Fällen über die Kicker/dpa-Newsticker Informationen hinaus.

Von einem selbsternannten Premium Produkt wie Sky, für das Abonnenten sehr viel Geld bezahlen, erwarte ich eine Berichterstattung, die über das reine wiedergeben hinausgeht.

Gerade der SVS bietet in der aktuellen Situation genug kontroverse Themen, die man im Zusammenhang mit so einem Spiel ansprechen kann. Man müsste nur im Vorfeld mal einen seiner unzähligen Mitarbeiter damit betrauen, vor Ort zu recherchieren. Meiner Meinung nach ist es journalistische Pflicht, zumindest bei den Pressekonferenzen anwesend zu sein und somit ein Mindestmaß an Interesse am eigenen Produkt zu zeigen und somit auch dem Anspruch und den Erwartungen der Kunden gerecht zu werden.

Ansonsten bleibt von diesem Spiel nicht viel hängen. Es heißt jetzt Kopf hoch und Mund abputzen. Einen Brocken gilt es noch zu überstehen mit Paderborn nächste Woche. Aber auch dieses Spiel muss erst noch gespielt werden und vielleicht überrascht uns der SVS im letzten Heimspiel des Jahres ja mit dem ersten Heimsieg der Saison.

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