#29 – the dirty dozen – extended version

Ich hatte mir jetzt über einen Tag Zeit genommen um die Nachricht von gestern sacken zu lassen. Auch die Entscheidung der DFL über die Austragung des Spiels gegen den FC St. Pauli wollte ich abwarten.

Nun ist es seit heute Mittag offiziell. Das Spiel kommenden Sonntag am Millerntor ist offiziell abgesetzt. Ein Nachholtermin wird durch die DFL zeitnah bekanntgegeben. Die 12 positiven Coronabefunde bei Spielern des SV Sandhausen waren für die DFL also ein driftiger Grund für eine Verlegung des Spiels. So weit, so sportlich und auch vernünftig.

Ich denke jeder, der auch nur einen Funken Anstand und Sportsgeist in sich trägt, kann diese Entscheidung mittragen. Ein Spiel, bei dem 12 Spieler des Gegners fehlen, hat keine sportliche Aussagekraft und verfälscht den Wettbewerb um ein Vielfaches mehr als eine weitere englische Woche für beide Teams.

Vom sportlichen abgesehen kann es auch nur im Interesse aller sein, ein so diffuses Infektionsgeschehen wie es anscheinend in dieser Woche in Sandhausen aufgetretenen ist, erstmal von einer weiteren Profiblase fernzuhalten. In der aktuellen Situation mit immer weiter steigenden Fallzahlen sollten alle froh über eine so vernünftige Entscheidung sein.

Beide Teams hatten gerade einen positiven Trend und wären sicher gern am Wochenende auf dem Platz aufeinander getroffen. Trotzdem sollten alle, die auf eine Durchführung des Spiels gehofft hatten überlegen, was auf den Fußball eingeprasselt wäre, wären in der nächsten Woche weitere Infektionen auf beiden Seiten öffentlich geworden. Und das auszuschließen ist in der jetzigen Situation sicher nicht möglich gewesen.

Die Entscheidung das Spiel nicht stattfinden zu lassen ist meiner Meinung nach somit sowohl aus sportlicher Sicht, wie auch aus einer gesundheitlichen Verantwortung gegenüber den Spielern und anderen Beteiligten absolut richtig.

Was dieser Fall jedoch noch aufwirft, ist die Frage nach der Qualität des Hygienekonzepts der DFL. Wie kann es sein, dass sich innerhalb einer Woche ein Dutzend Spieler und ein halbes Dutzend vom Staff mit Corona infiziert? Und warum gibt es die großen Ausbrüche mit vielen Infektionen immer bei den „kleineren“ Vereinen?

Nach Aussage von SVS Geschäftsführer Volker Piegsa lag es nicht an einer laschen Umsetzung des Konzepts von Seiten des Vereins. Hier wurde alles eingehalten, was Vorgegeben ist. Auch die Impfquote liege laut Piegsa bei 100% (Aussage: „Wir gehen davon aus, dass alle geimpft sind“.)

Können kleinere Vereine wie der SV Sandhausen, die kein großes Trainingsgelände haben, nicht mehrere Krafträume oder auch Umkleidekabinen zur Verfügung haben überhaupt so arbeiten, wie es die großen Vereine können? Schaut man sich die Historie der bisherigen Ausbrüche an, ist es auffällig, dass es mit Dresden, Kiel, Sandhausen, Würzburg, Mainz und jetzt wieder Sandhausen meist eher Underdogs betrifft.

Für den SV Sandhausen sollte dies jedoch trotzdem ein letzter lauter Warnschuss sein. Die Infektionen treffen den Verein unverhältnismäßig öfter als die Konkurrenz. Niemand ist in der Kabine dabei, niemand weiß was intern vorgeht. Aber wenn ich immer wieder durch Infektionen auffalle, kann nicht alles zu 100% optimal verlaufen.

Was die Kommunikation angeht, würde ich mir vom SVS, wie in so vielen anderen Bereichen, einen offeneren Umgang wünschen. Informationen findet man oft nur nach langer Suche und meist auch nur bei Portalen, die über den kommenden Gegner berichten. Es wirft kein gutes Licht auf den Verein, wenn die Information über einen Antrag auf Spielverlegung vom gegnerischen Verein veröffentlicht wird.

Die Veröffentlichung der Information über einen Coronaausbruchs im Verein mit dem Claim #WirEchtAnders zu unterlegen ist auch etwas, dass einem nicht jede Marketingabteilung raten würde. Gute Öffentlichkeitsarbeit ist kein Hexenwerk und viele Fehler könnten vermieden werden, wenn man vorab nur kurz nachdenken würde.

Nichtsdestotrotz ist alles in Anbetracht der Gesundheit der Beteiligten zweitrangig. Der Fußball, die Umsetzung des Hygienekonzepts, der öffentliche Eindruck. Wirklich wichtig ist nur, dass alle betroffenen schnell wieder gesund werden und von einem schweren Verlauf verschont bleiben. Alles Gute an alle Betroffenen.

Ein Kommentar zu „#29 – the dirty dozen – extended version

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: