#2 – 0:4 gegen RaBa. Jetzt bin ich überzeugt.

Die Entscheidung war also gefallen. Nun konnte ich mit den grundlegenden Vorbereitungen beginnen. Mein einziger Berührungspunkt mit dem SV Sandhausen war ein Erstrundeinsieg des BVB im Sommer 2011, den ich auf einer schwarz-gelb gefüllten Gegengerade miterlebte. Lewandowski, Kagawa, Lewandowski. 2 Jahre vom Mario-Götze-Moment entfernt. Bei Sandhausen beackerte der junge Danny Blum die linke Seite und wurde vom kompletten Auswärtsblog minutiös „motiviert“. Das war’s aber auch schon. Mehr Verbindung gab’s nicht zwischen mir und dem SV Sandhausen. Also rein ins Internet und erstmal grundlegende Eckpfeiler nachlesen. 

Historie. Entwicklung. Erfolge. Vereinskonstrukt. Fanszene. Kader. Trainer. Vereinsführung. Sportliche Leitung. 

Einen groben Überblick konnte ich mir dank Wikipedia und einer oberflächlichen Google-suche relativ schnell verschaffen. Aber gerade für ein erstes, gefestigtes Urteil über handelnde Personen und andere kontroverse Themen gebe ich mir doch noch ein bisschen mehr Zeit für Recherche und Meinungsbildung. 

Im sportlichen Bereich hat mich die Fluktuation im Kader zur neuen Saison dann doch etwas überrascht. Nach Ende des Transferzeitraums steht man bei 15 Zugängen und 18 Abgängen. Die beiden Zahlen bedingen sich natürlich gegenseitig, sind aber auch ein Zeichen dafür, das in der Vergangenheit nicht alles richtig gemacht wurde. Die Saison ist wohl nicht nur für mich, sondern auch für das Team eine Art Neustart. Der Kader an sich kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Für einen Verein, der in der vergangenen Saison nur knapp die Klasse gehalten hat, stehen da einige Spieler zur Verfügung, die an und für sich mehr versprechen als den puren Abstiegskampf. Jedoch ist bei insgesamt 33 Wechseln, teilweise weit nach Saisonstart, auch klar das es zu Beginn holprig werden kann. Und so kam es dann ja auch. Aber eins nach dem anderen.

Ich hatte meine ersten Hausaufgaben erledigt, nun musste nur noch die Karte her. Die Saison war bereits gestartet, man stand auf einem Abstiegsplatz mit 0 Punkten und 0:5 Toren. Im Pokal wartete Anfang August ein ganz dicker Brocken. Erste Runde zu Hause gegen Leipzig. Nicht der Einstieg für mich der Erfolg verspricht, aber immerhin war guter Fußball zu erwarten. Und was könnte die Beziehung zwischen dem SVS und mir besser einläuten als ein heroisch erkämpfter Sieg des Underdogs gegen das Böse schlechthin? Gute Voraussetzungen für einen finalen Testlauf.

Also hab ich mir und einem Kumpel erstmal zwei Tickets für das Spiel besorgt und mich tatsächlich gefreut, welche bekommen zu haben. In meiner Vorstellung war gerade nach Corona und den nur teilausgelasteten Stadien ein Spiel gegen den Vizemeister etwas, was die Leute sehen wollen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass selbst unter Coronabedingungen „ausverkauft“ eher selten auf der Anzeigetafel auftaucht. Sei’s drum. 

Sitzplatz, A Block sollte es werden. Und was soll ich sagen? Wir waren begeistert. 4 Reihen vom Spielfeld entfernt. Viel näher dran war ich selten in meiner Stadionkarriere. Und auch das was ich auf dem Platz gesehen hab, hat mich eher angezündet als abgeschreckt. Klar, die Überraschung war relativ schnell vom Tisch, aber das Team hat alles reingehauen was es hatte. Mit ein bisschen mehr Spielglück hält man das Spiel sogar noch ein bisschen länger spannend. Mehr war an dem Tag einfach nicht drin. Und mit Bashkim Ajdini hat sich direkt jemand, mit ganz viel Einsatz, einen ersten Softspot bei mir erkämpft. 

Was mich tatsächlich eher ein bisschen ratlos zurückgelassen hat, war die Tatsache das die mitgereisten Leipziger so viel lauter waren, als die Fans des SV. Da hatte ich mir selbst von einer kleineren Szene, wie der Sandhäuser, mehr akustischen „Widerstand“ versprochen. Erst diese Woche habe ich dann auf der Homepage der Szene1916 erfahren, dass der aktive Support aufgrund Restriktionen gegenüber Gästefans zu diesem Zeitpunkt noch eingestellt war. 

Aber auch wenn die Stimmung eher mau und die Hoffnung auf ein zweites Pokalspiel relativ schnell vorbei war, hatte ich einen verdammt guten Nachmittag. Die grundlegende Stimmung im Stadion und im Umfeld war einfach positiv. Alles ein – zwei, eher drei Nummern kleiner als im Westfalenstadion, dem Betzenberg oder irgendeiner Multifunktionshalle nahe einer austauschbaren Autobahn. Dadurch aber alles auch mit einem gewissen Charme und einer positiven Grundeinstellung der Leute um einen rum. Letztendlich hat also ein 0:4 gegen RaBa Leipzig die letzten Zweifel beseitigt. Liest sich eigentlich auch eher wie ein Satz aus der Hölle. Ist aber die Wahrheit.

Am nächsten Tag war die Sache erledigt und ich zum ersten Mal in meinem Leben Dauerkarteninhaber. Ein cooles Gefühl. Sogar ein bisschen stolz war mit dabei. Ich hatte Lust auf mehr. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: